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Auf der Flucht mit Hund, Katze und Schildkröte

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Notunterkunft in Magdeburg
Eine Katze liegt in der Notunterkunft für die Erstaufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine in einem Korb. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Wer aus der Ukraine flieht, kann meist nur das Nötigste mitnehmen. Einige Menschen bringen auch ihre Haustiere mit - sie gehören zur Familie, bieten Trost und Ablenkung. Doch gelten nicht eigentlich strenge Einreisevorschriften für Tiere innerhalb der EU?

Magdeburg/Halle - Geld, Papiere, Kleidung, Medikamente: Die Menschen aus der Ukraine können auf der Flucht vor dem Krieg nur das Wichtigste mitnehmen. Für manche gehört das geliebte Haustier dazu. Doch in Sachsen-Anhalt haben Kriegsflüchtlinge bisher nur wenige mitgebrachte Tiere angemeldet.

Mehr als 13.000 Menschen aus der Ukraine sind bislang in Sachsen-Anhalt aufgenommen worden. Am Messegelände in Magdeburg, dem ersten Anlaufpunkt für viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, zählen die Mitarbeitenden am Donnerstagmorgen rund 700 Schutzsuchende. Mit dabei: Etwa 15 Hunde, Katzen und eine Schildkröte.

„Das Haustier ist ein Familienmitglied, das würde ich auch nicht zurücklassen“, sagt Simone Borris, die Bürgermeisterin der Stadt Magdeburg, bei einem Rundgang durch die Messehallen. Neben ihr kümmern sich zwei Kinder um einen weißen Terrier mit braunen Flecken, der angeleint auf einem Feldbett liegt. Die beiden Kinder lachen, während der Hund mit einem Knochen spielt. Zwei braune Chihuahuas mit Knopfaugen tollen auf einer Matratze gegenüber herum, neben der Liege eines Jungen steht ein Tragekorb mit grau-schwarzen Katzenbabys.

„Wenn die Kinder aus dem Kriegsgeschehen kommen und dann auch noch auf ihr geliebtes Haustier verzichten müssten, würde es wahrscheinlich psychologisch erhebliche Probleme geben“, sagt die Bürgermeisterin.

Die Tierbesitzer und ihre Haustiere sind in der Messehalle in abgeteilten Stationen untergebracht. Bei ihrer Ankunft werden die Vierbeiner von einer Tierärztin untersucht. Einmal in der Woche schaut die Veterinärin nach den Tieren.

Dem Landesverwaltungsamt in Sachsen-Anhalt lagen bis Mittwochnachmittag rund 40 Anträge für Haustiere von Flüchtlingen vor. Eigentlich gelten strenge Einreisevorschriften für Tiere innerhalb der EU, doch angesichts des Krieges wurden die Regeln kürzlich angepasst. In dem vorübergehend vereinfachten Verfahren können Flüchtlinge nun per Mail ihre Tiere beim Landesverwaltungsamt anmelden, um die nach EU-Recht vorgeschriebene Genehmigung zu erhalten.

Jedes zweite Tier, dessen Einfuhr beim Landesverwaltungsamt beantragt wurde, reiste ohne Papiere in die EU ein, wie eine Sprecherin der Behörde in Halle mitteilte. In jedem Einzelfall wird dann entschieden, ob und welche weiteren Maßnahmen für das Tier notwendig sind - zum Beispiel eine Impfung oder eine Quarantäne.

Die Untersuchung der Tiere speziell auf Krankheiten wie Tollwut sei wichtig, sagt die Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes praktizierender Tierärzte in Sachsen-Anhalt, Anne-Kathrin Witzlack. „Wir wollen das nicht dramatisieren, aber wir müssen das auf dem Schirm haben“, meint sie. „Tollwut ist eine tödliche Infektionskrankheit für Mensch und Tier.“

Und wie sieht es in den Tierheimen in Sachsen-Anhalt aus? Von einer Überlastung wegen notwendiger tiermedizinischer Behandlungen sei nicht auszugehen, sagt eine Sprecherin der Stadt Magdeburg. Im Tierheim in Magdeburg befindet sich derzeit kein Tier von ukrainischen Flüchtlingen - und in Halle nur eine Katze. dpa

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