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9-Euro-Ticket gestartet: Kein Chaos an Bahnhöfen

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9-Euro-Ticket
Ein frisch an einem Automaten der Deutschen Bahn erworbenes 9-Euro-Ticket. © Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild

Mit dem 9-Euro-Ticket können Pendler und Reisende günstig mit Bus und Bahn fahren. In Sachsen-Anhalt ist die Aktion gut angelaufen, der riesige Ansturm blieb bislang aber aus. Auch für Autofahrer gibt es eine Entlastung.

Magdeburg - Das 9-Euro-Ticket soll neben weiteren Maßnahmen Pendlern und Reisenden Entlastung bieten. In Sachsen-Anhalt wurde der günstige Fahrschein schon am ersten Tag genutzt - zu überfüllten Verkehrsmitteln kam es allerdings zunächst nicht. „Die Züge waren gut gefüllt, man hat aber überall einen Platz gefunden. So soll das aber auch sein“, sagte Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) am Mittwochmorgen am Magdeburger Hauptbahnhof. Auch laut Bundespolizei gab es bis zum Mittag kein Chaos an den Bahnhöfen.

Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) zog am späten Nachmittag „ein sehr positives Fazit“. Die 14 im MDV zusammengeschlossenen Nahverkehrsunternehmen hätten bereits rund 160.000 9-Euro-Tickets verkauft. „Das ist ein toller Start!“, hieß es. „Insgesamt gab es keine Überbelastungen im Streckennetz der Züge, Straßenbahn und Busse innerhalb des MDV-Gebietes.“ Wegen punktueller Serverüberlastungen habe es in den digitalen Verkaufskanälen teils etwas länger mit dem Ticketkauf gedauert.

Hüskens wollte sich am ersten Tag des Sondertickets im Zug und am Bahnhof ein Bild machen und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Sie habe sich gefreut, dass viele Menschen unterwegs seien, die das Ticket als Versuch nutzen wollen, um etwa zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen, sagte die FDP-Politikerin. „Darüber hinaus hat der eine oder die andere eben auch kommuniziert, dass es für Pendler sehr schwer ist, immer pünktlich und zuverlässig zur Arbeit zu kommen.“

Auch in den Städten kam es nach Angaben der Verkehrsbetriebe zu keinen Problemen. In Magdeburg habe es keine Überlastung gegeben, sagte ein Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). Es sei ein normaler Mittwoch gewesen, niemand sei an der Haltestelle stehen gelassen worden. Auffällig sei allerdings gewesen, dass rund um den Hauptbahnhof mehr Menschen angetroffen werden konnten. Seitens der Halleschen Verkehrs-AG (Havag) hieß es, dass die Busse und Bahnen tagsüber voller als sonst waren. Dort werden demnach alle verfügbaren Personale und Fahrzeuge eingesetzt.

Insgesamt werde die Situation beobachtet, um reagieren zu können, hieß es von der Havag weiter. Sollten etwa am Wochenende viele Ausflügler unterwegs sein, könnten größere Fahrzeuge eingesetzt werden. In Magdeburg schaut man gespannt auf die Sommerferien. Zum einen könne es sein, dass mehr Touristen in der Stadt seien, zum anderen gelte dann der ausgedünnte Ferienfahrplan.

Das Sonderticket gilt seit Mittwoch bundesweit im öffentlichen Personennahverkehr und damit nicht in Fernzügen oder Fernbussen. Die Verbraucher sollen damit angesichts der stark gestiegenen Energiekosten entlastet werden.

Der günstige Fahrschein wird monatlich für die Monate Juni, Juli und August verkauft. Auch Kunden mit Abos, Studierende und Schüler mit Tickets müssen in den drei Monaten nur neun Euro zahlen - können aber deutschlandweit fahren. Der Betrag wird automatisch verrechnet oder bei bereits geleisteter Zahlung zurücküberwiesen. Teilweise kosten die Studierendentickets nach Angaben des Studentenwerks Magdeburg aber ohnehin weniger als neun Euro im Monat.

Seit Mitternacht fällt zudem eine geringere Energiesteuer an, damit das Tanken günstiger wird. Vielerorts zeigten sich am Morgen die Auswirkungen der gesenkten Steuer bereits. An mehreren Tankstellen im Land kostete der Liter Super E10 deutlich unter 2 Euro, teils lag der Preis laut ADAC am Vormittag sogar unter 1,80 Euro. Auch der Liter Diesel kostete etwa in der Landeshauptstadt Magdeburg zeitweise fast überall um die 1,80 Euro.

Zuvor war spekuliert worden, dass die Tankstellen die gesenkte Energiesteuer erst zeitversetzt an die Verbraucher weitergeben könnten. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule, sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet sind.

Die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Katja Pähle, gab zu bedenken, dass das 9-Euro-Ticket und die Senkung der Energiesteuer vor allem auf die Kosten der Mobilität zielten. „Die Preisentwicklung betrifft aber längst nicht mehr nur Pendlerinnen und Pendler.“ Sie unterstütze daher den Vorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), auch Rentnerinnen und Rentner zum Beispiel bei den Heizkosten zu entlasten. dpa

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