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Mann vor Wohnung erstochen: Freispruch mangels Beweisen

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Zwei Urteile in einem Fall: Das Landgericht Halle hat einen Mann freigesprochen, der sich wegen der Tötung eines Mannes verantworten musste. Ein Jahr zuvor hatte ihn deswegen eine andere Strafkammer zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Kommt der Fall nun zu den Akten?

Halle - Aus Mangel an Beweisen ist ein 22 Jahre alter Mann im Prozess um die tödliche Messerattacke vor einer Wohnung in Halle vom Landgericht freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Es gelte der Grundsatz „In dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten, sagte der Vorsitzende Richter Detlef Bortfeldt am Montag bei der Urteilsverkündung. Es habe nicht bewiesen werden können, dass der Angeklagte den 31-Jährigen töten wollte.

Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung hatten auf Freispruch plädiert, die Nebenklage als Opfervertreter eine Verurteilung des Angeklagten gefordert. Der Deutsche hatte gestanden, 2020 auf einen 31-Jährigen in einem Mehrfamilienhaus in Halle mit einem Messer eingestochen und dessen gleichaltrigen Begleiter attackiert zu haben. Anschließend rief er die Polizei. Als Motiv gab der zwei Meter große Angeklagte Notwehr an. Er habe sich bedroht gefühlt und den fünfjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin beschützen wollen. Der 31-Jährige starb laut Obduktion durch einen Stich ins Herz. Sein Begleiter wurde verletzt. Der Angeklagte und die beiden Männer, zwei Deutsche, kannten sich den Angaben des 22-Jährigen zufolge.

Die Beweismittel hätten für eine Verurteilung des Angeklagten nicht ausgereicht, sagte der Richter zur Begründung des Urteils. Was genau passiert sei, bleibe im Dunkeln. Nach Auffassung des Gerichts hätten sich die beiden späteren Opfer aber nicht aus einer Laune heraus in das Mehrfamilienhaus begeben. „Das war vorbereitet“, sagte der Richter. Die beiden Männer hätten gefährliche Gegenstände wie ein Cutter-Messer bei sich getragen.

Der Angeklagte hatte die Tat vom 26. September 2020 vor Gericht bereut. „Es tut mir sehr leid. Ich wollte das nicht“, sagte er. Als Motiv gab er Notwehr an. Für den 22-jährigen Deutschen ist es das zweite Urteil in dem Fall. Im April 2021 hatte ihn das Landgericht Halle zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Es befand ihn der Körperverletzung mit Todesfolge und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Dagegen legte er Revision ein. Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil. Der Fall wurde zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer des Landgerichts verwiesen. Das neuere Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Prozess hatte am 22. Februar 2022 begonnen. dpa

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