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Rund 800 Jahre altes Handwaschgefäß entdeckt

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800 Jahre altes Handwaschgefäß begeistert Archäologen
Anna Bartrow, Doktorandin, betrachtet ein historisches Handwaschgefäß. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Spaziergänger hat ein historisches Handwaschgefäß bei Großdemsin entdeckt. Der ehrliche Finder gab das bronzene Gefäß in Form eines Pferdes beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt ab.

Halle/Großdemsin - Ein rund 800 Jahre altes bronzenes Handwaschgefäß in Form eines Pferdes ist bei Großdemsin (Landkreis Jerichower Land) von einem Spaziergänger entdeckt worden. „Das ist ein wunderbarer Fund, gerade jetzt zum Geburtstag des Landes-Denkmalschutzgesetzes, das heute 30 Jahre alt wird“, sagte Landesarchäologe Harald Meller am Donnerstag. „Wir danken dem ehrlichen Finder für die Bereicherung der Dauerausstellung.“

Bei dem sogenannten „Aquamanile“ handelt es sich demnach um eine ausgesprochene Seltenheit und um eines der frühesten bekannten Gießgefäße seiner Art in Deutschland. Das Gefäß war im hohen Mittelalter ein Luxusobjekt und diente etwa in der Zeit zwischen 1150 und 1250 zum Ausgießen von Wasser.

Der Spaziergänger entdeckte das Stück im Juli 2021 in der morastigen Niederung eines Baches, wie es hieß. Das Handwaschgefäß ragte aus dem Boden einer frisch gemähten Wiese heraus. Der ehrliche Finder gab das historische Stück beim Landesamt für Denkmalpflege ab.

Die archaisch wirkende Pferdegestalt von etwa 20 Zentimetern Länge und etwa 23 Zentimetern Höhe besitzt einen langgestreckten, röhrenförmigen Rumpf mit ausladenden Rundungen an Gesäß und Brust sowie einen steil aufgerichteten Hals und Kopf. Auf der Stirn befindet sich das Scharnier mit Klappdeckel für den Einguss. Der Ausguss liegt am Maul. Ein schlichter gebogener Rundstab dient als Griff. Die stilisierte Ausführung lässt sich keiner bestimmten Werkstatt zuschreiben.

In Magdeburg gab es ein frühes Zentrum für anspruchsvollen Buntmetallguss. Aber in der Kunstgeschichte wird für „Gieß-Pferde“ mit ähnlichen Charakteristika meist eine Entstehung in Ungarn unter dem Einfluss islamischer Vorbilder erwähnt. Benutzt wurden diese Stücke etwa bei liturgischen Handwaschungen während des Gottesdienstes.

Aus dem figürlichen Gefäß wurde Wasser über die Hände gegossen, das in einem Becken darunter wieder aufgefangen wurde. Zudem wurden die Gefäße in adeligen Kreisen zum Reinigen der Hände während eines Mahls zur Demonstration eines luxuriösen, höfischen Lebensstils benutzt.

Der Überraschungsfund wird aufgrund seiner Bedeutung in die eigentlich bereits abgeschlossene Konzeption der neuen Räume der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte aufgenommen. Hier wird das Gefäß ab dem 5. November 2021 zusammen mit anderen liturgischen Gerätschaften aus mittelalterlichen Gottesdiensten gezeigt. dpa

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