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30 Jahre Textilforschungsinstitut: Mehr als 140 Patente

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30 Jahre Textilforschungsinstitut Chemnitz
Martha Uhrlaß, Entwicklungsingenieurin, steht an einer Anlage zum Befüllen von Gewebespulen. © Sebastian Willnow/dpa

Handschuhe, die Schutz vor Schnitten und Stichen bieten, Produkte aus recycelten Carbonfasern oder leichte Origami-Schutzwände aus Holz und Textil: Seit 30 Jahren wird in Chemnitz an neuen Anwendungen für die Textilindustrie geforscht.

Chemnitz - Ohne menschliches Zutun greift ein Roboter eine Rolle mit Garn, um das 3500 Spulen fassende Magazin einer Webmaschine zu bestücken. Sie webt aus dem Garn einen festen, mehrlagigen Stoff, der auf verschiedene Weise bedruckt und individuell zugeschnitten wird. Der Arbeitsgang des Roboters ist nur einer von vielen einer Demonstrationsanlage des Sächsischen Textilforschungsinstituts in Chemnitz. Dort wird an der Textilfabrik der Zukunft geforscht - voll automatisiert und digitalisiert. Experten sprechen von Industrie 4.0. „Das Hauptziel ist nicht, den Mensch zu ersetzen, sondern ihn von monotonen Tätigkeiten zu entlasten“, betont der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Pfaff.

Das Institut feiert diese Woche sein 30. Jubiläum. 1992 aus zwei Vorgängereinrichtungen mit 60 Mitarbeitern gegründet, hat es sich nach Branchenangaben seither als Motor für Innovationen in der Textilbranche erwiesen. Seit der Gründung seien 143 Patente angemeldet worden, sagte Geschäftsführerin Heike Illing-Günther. Und die Zahl der Mitarbeiter ist auf 169 gewachsen. Sie forschen etwa am Recycling von Carbonfasern, speziellen 3D-Beschichtungen, die Stoffen Schnitt- und Stichschutz verleihen, oder Verbünden aus Holz und Textil, die per Origami-Faltung Sicht- und Schallschutzwände bilden.

Das Institut habe einen wichtigen Anteil daran, dass die Textilindustrie in Sachsen wiederauferstehen konnte, betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, Jenz Otto. Thomas Lindner, Geschäftsführer der Strumpffabrik Lindner in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau), verweist auf die Kleinteiligkeit der Branche. Mit Hilfe des Instituts seien Entwicklungen möglich, zu denen die Unternehmen allein nicht in der Lage wären. „Für uns ist es absolut überlebenswichtig.“

Sachsen ist das Zentrum der ostdeutschen Textilindustrie. Von den rund 16.000 Beschäftigten entfallen nach Verbandsangaben rund 12.000 auf den Freistaat. Das Chemnitzer Institut arbeitet aber auch mit Unternehmen in anderen Bundesländern sowie dem Ausland zusammen. 2020 wurde den Angaben zufolge an 127 Forschungsprojekten gearbeitet und ein Umsatz von 19,2 Millionen Euro erzielt. Die Einrichtung ist ein An-Institut der Technischen Universität Chemnitz und gehört zur Zuse-Gemeinschaft.

Die immer stärkere Automatisierung von Textilfabriken wie es als Fabrik der Zukunft in Chemnitz erprobt wird, trifft für Unternehmen ein ganz handfestes Problem: Den wachsenden Mangel an Fachkräften. Als weiteren großen Trend in der Textilforschung für die kommenden Jahre nennt Illing-Günther das Thema Nachhaltigkeit und Recycling. Dabei gehe es darum, die Materialien so oft wie möglich wieder zu verwenden - wenn auch nicht für das gleiche Produkt. Hierzu wird am Sächsischen Textilforschungsinstitut derzeit ein neues Zentrum für Nachhaltigkeit errichtet. Die Investitionen wurden mit rund 5 Millionen Euro angegeben. dpa

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