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Baby im mit Kissen erstickt?: Prozessauftakt gegen Eltern

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Der Tod eines Babys vor mehr als vier Jahren im Vogtland beschäftigt das Landgericht Zwickau. Da die Eltern auf der Anklagebank schweigen, kommt einer mutmaßlichen Augenzeugin besonderes Gewicht zu: Der Schwester des Jungen. Doch sie war damals selbst erst vier Jahre alt.

Zwickau/Elsterberg - Im Sommer 2017 starb der kleine Liam in Elsterberg (Vogtlandkreis), seit Dienstag müssen sich nun seine Eltern vor dem Landgericht Zwickau verantworten. Die Anklage wirft den beiden Deutschen ohne Beruf Totschlag vor. Demnach soll der Vater dem damals sechs Monate alten Jungen mindestens zwei bis drei Minuten lang ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben, um ihn ruhig zu stellen. Dadurch sei das Baby erstickt, so die Staatsanwaltschaft. Die Mutter soll dabei gewesen sein, aber nicht eingegriffen haben.

Zum Prozessauftakt ließ der Vater (28) die Vorwürfe über seinen Anwalt knapp zurückweisen, die Mutter (25) machte gar keine Angaben. Dagegen sagte die Pflegemutter einer der beiden Töchter aus. Das Mädchen und ihre Schwester waren im Frühjahr 2019 nach Misshandlungsvorwürfen in Pflegefamilien gekommen. Anfangs sei das Mädchen sehr verängstigt und verstört gewesen, berichtete die Frau. Später habe sie dann aber unvermittelt von einem Bruder erzählt, der tot sei. Er habe sehr geschrien und geweint, habe sie berichtet. Sie habe sich daraufhin ins Wohnzimmer geschlichen. „Da hat Papa ein Kissen drauf gemacht, er war dann ruhig“, gab die erfahrene Pflegemutter die Schilderungen des Kindes wieder. Später sei ein Krankenwagen gekommen.

Die Zeugenaussage der Pflegemutter soll am 8. November fortgesetzt werden. Später sollen auch das Kind selbst sowie ein Rechtsmediziner vor Gericht aussagen. Das Kind war zu dem Zeitpunkt jedoch gerade einmal vier Jahre alt. Richter Klaus Hartmann sprach vor diesem Hintergrund von einer sehr komplizierten Beweisaufnahme. Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage bis 20. Dezember geplant. dpa

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