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Gesundheitsämter stoßen bei Kontaktnachverfolgung an Grenzen

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Corona-Tests
Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Corona-Pandemie hat Sachsen fest im Griff. Die Zahl der Neuinfektionen ist auf einem neuen Höchststand. Manche Gesundheitsämter kommen bei der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher.

Leipzig - Die Corona-Infektionslage spitzt sich in Sachsen zu. Manche Gesundheitsämter sind bereits über ihre Kapazitätsgrenze hinaus. So ist im Landkreis Zwickau derzeit eine lückenlose Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich. „Wir können nicht mehr jeden Kontakt anrufen. Wir konzentrieren uns auf Einrichtungen wie Pflegeheime und Schulen sowie Familienangehörige“, sagte Landrat Christoph Scheurer (CDU) am Donnerstag.

Wer mit einer später positiv getesteten Person Kontakt hatte, erfährt dies in der Regel nicht mehr vom Gesundheitsamt, sondern im Zweifel vom Betroffenen selbst oder über die Corona-Warn-App. Zuvor hatte die „Freie Presse“ darüber berichtet.

Derzeit sind nach Angaben des Landratsamtes im bereits aufgestockten Gesundheitsamt 120 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dauerhaft mit der Kontaktverfolgung beschäftigt und weitere 25 zeitweise. In der zweiten Corona-Welle vor etwa einem Jahr waren es insgesamt etwa 200. Laut Landrat Scheuer hatten im Vorjahr Landesbedienstete ausgeholfen. Ein neuerliches Hilfeersuchen sei aber abgelehnt worden. Seit einigen Tagen wird das Gesundheitsamt zwar von 20 Bundeswehrsoldaten unterstützt, im vergangenen Winter waren es aber bis zu 40.

Die Wocheninzidenz hat laut Robert Koch-Institut (RKI) inzwischen die Marke von 500 überschritten und betrug 521,9. Das ist weit mehr als auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie Ende 2020. Sachsen ist damit weiter das am stärksten betroffene Bundesland. Im Bund lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 249,1. Die Hotspots in Sachsen sind die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (886,3) und Meißen (859,5), im Landkreis Zwickau liegt der Wert bei 510,5.

In Leipzig dauert es derzeit bis zu vier Tage, ehe ein Quarantäne-Bescheid die Betroffenen erreicht, zuvor waren es zwei Tage, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Rund 80 Prozent der Mitarbeitenden im Gesundheitsamt arbeiten an Aufgaben im Zusammenhang mit Corona. Es wurden Arbeitsgruppen für die Bereiche Hygienekonzepte, Schule, Kita, Hort, medizinische und Erstaufnahmeeinrichtungen, Reiserückkehrer und Teststellen gebildet. Den größten Teil bildet jedoch das Ermittlungsteam, welches die Kontaktpersonennachverfolgung bearbeitet. Auch aus anderen städtischen Ämtern wurde Personal abgezogen, zudem unterstützen zehn Soldatinnen und Soldaten die Arbeit.

Auch in der Landeshauptstadt Dresden ist eine Kontaktaufnahme nur mit mehreren Tagen Verzögerung möglich, wie die Stadt mitteilte. Im Schnitt werden bis zu 60 Personen im Gesundheitsamt im Bereich Corona eingesetzt. Hinzu kommen 108 Beschäftigte aus anderen Bereichen der Stadtverwaltung und externe Mitarbeiter. Außerdem wurde bei der Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Hierzu laufen derzeit Gespräche, hieß es weiter. dpa

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