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Kretschmer erwartet mehr Tote in vierter Corona-Welle

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Michael Kretschmer (CDU)
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, spricht. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Das Coronavirus greift in Sachsen weiter um sich. Seit einer Woche ist der Freistaat deutschlandweiter Hotspot. Der Ministerpräsident befürchtet mehr Tote als in den bisherigen Wellen. Währenddessen klagt die AfD gegen die 2G-Regel, und eine Ministerin ist infiziert.

Dresden - In Sachsen greift das Coronavirus rasant um sich, und Ministerpräsident Michael Kretschmer befürchtet mehr Tote als bei den bisherigen Wellen. „Wir stehen erst am Anfang eines harten Winters: Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“.

„Diese vierte Welle wird mehr Opfer, auch mehr Todesopfer, verlangen als alles, was wir bisher kannten.“ Kretschmer stellte die Menschen zugleich darauf ein, dass die angespannte Situation noch Monate andauert. „Aus dem vergangenen Jahr wissen wir: Wir müssen bis Ostern durchhalten. Vorher wird diese Welle nicht zu Ende sein.“ Bund und Länder wollen am kommenden Donnerstag wieder über die Corona-Lage sprechen.

Der Freistaat ist seit mehr als einer Woche der Corona-Hotspot in Deutschland. Das Robert Koch-Institut (RKI) ermittelte am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 670,9. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche bei 620,7 gelegen.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lag der Wert am Sonntagmorgen bei 1153,6. Er ist damit hinter dem bayerischen Rottal-Inn (1198,7) der Landkreis mit der bundesweit zweithöchsten Inzidenz. Am Samstag war die Reihenfolge noch andersherum.

Noch habe Deutschland die Chance, einen Lockdown in der Weihnachtszeit zu verhindern, betonte Regierungschef Kretschmer. „Aber die Zeit läuft uns davon.“ Er forderte eine 2G-Regel in ganz Deutschland, um Ansteckungen von Ungeimpften zu vermeiden. Auch müssten Kontakte reduziert und möglichst viele größere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte im ganzen Land abgesagt werden.

Sachsen hatte am vergangenen Montag als erstes Bundesland die 2G-Regel in weiten Teilen des öffentlichen Lebens eingeführt. Dies bedeutet, dass nur Geimpfte und Genesene in Restaurants, Kneipen oder Diskotheken dürfen, ein negativer Test reicht nicht mehr.

Seitdem gibt es einen enormen Ansturm auf die mobilen Impfzentren, die an ihre Grenze stoßen. Die Auslastung der Impfeinsätze liege derzeit bei 150 Prozent, sagte Kai Kranich vom DRK Sachsen, das die mobilen Impfteams koordiniert. „Der derzeitige Ansturm auf die Teams hat aber zur Folge, dass flächendeckend in ganz Sachsen impfwillige Bürgerinnen und Bürger mehrere Stunden auf die Impfung warten und zu Hunderten täglich abgewiesen werden müssen.“

Die Kapazität der 30 Teams werde zum Montag hin verdoppelt, teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit. Eine weitere Erhöhung der Kapazität ist geplant und soll am Dienstag im Kabinett beraten werden.

Unterdessen geht die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag gerichtlich gegen die neue Corona-Schutzverordnung vor. Die Abgeordneten wollen vom Verfassungsgerichtshof die 2G-Regel überprüfen lassen, wie die Fraktion am Sonntag mitteilte. Dazu sei am Freitag eine Normenkontrollklage eingereicht worden. „Die 2-G-Regel läuft auf einen Impfzwang hinaus. Dieser Impfzwang ist verfassungswidrig“, sagte Fraktionschef Jörg Urban.

Für eine landesweite 1G-Regel gegen die Corona-Pandemie hat sich der Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, Rolf Schmidt (Freie Wähler), ausgesprochen. Demnach würden nur noch Getestete Zutritt etwa zu Innengastronomie sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen haben - egal ob geimpft oder ungeimpft, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Die 2G-Regel spiele Geimpfte und Ungeimpfte gegeneinander aus und führe dazu, dass weniger getestet werde. Zumal auch Geimpfte sich mit dem Coronavirus infizieren und dieses weitergeben könnten.

Am Sonntag wurde bekannt, dass sich die sächsische Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) mit dem Coronavirus infiziert hat. Nach Auftreten erster Erkältungssymptome habe das sowohl ein Schnelltest als auch ein anschließender PCR-Test bestätigt, teilte das Kulturministerium mit. Klepsch (56), die vollständig geimpft sei, befinde sich seit Freitag in häuslicher Quarantäne. dpa

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