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Virologin Ciesek bringt „3-Antigenkontakte-Regel“ ins Spiel

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Von: Franziska Schwarz

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Montage: links ein 3-D-Modell des Coronavirus, rechts Virologin Sandra Ciesek
Streit um Corona-Genesenenstatus: Virologin Sandra Ciesek ist für das Orientieren an drei „Antigenkontakten“ © Besa Art/Stefan Boness/Ipon/Imago

Beim nächsten Corona-Gipfel wird es auch darum gehen, wer wie lange als von dem Virus genesen gilt. Sandra Ciesek spricht sich für eine Art „Dreier-Regel“ aus.

Frankfurt - Für die Verkürzung des Corona-Genesenenstatus gab es viel Kritik. Für das Robert-Koch-Institut (RKI) und hernach auch für Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SDP) - vor allem wegen der Kommunikation der Sache. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 16. Februar steht das Thema nun laut Beschlussvorlage oben auf der Agenda. Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek meldete sich in der Debatte erneut zu Wort.

Sie twitterte am 14. Februar eine Stellungname der Gesellschaft für Virologie und schrieb dazu, das Gremium spreche sich für eine bundesweite „pragmatische Regelung“ in der Frage des Genesenenstatus aus.

In dem am 10. Februar publizierten Papier betonen die Experten, dass das RKI die Verkürzung des Genesenenstatus nur für nicht gegen Corona Geimpfte empfahl - und sich vorbehielt, diese je nach Stand der Wissenschaft auch zu ändern.

Corona-Genesenenstatus: Ciesek plädiert für „3-Antigenkontakte-Regel“

Die Kritik der Virologie-Gesellschaft zielt vielmehr auf die Umsetzung der neuen Regel. Es sei häufig nicht zwischen Genesenen ohne oder mit Impfung unterschieden worden. Dies sei aber zwingend. Denn jüngste Studien deuteten darauf hin, dass es auf die Zahl der „Antigen-Kontakte“ ankommt. Darunter ist entweder eine Infektion oder eine Impfdosis zu verstehen.

Bei einer zweifach geimpften Person, die sich zusätzlich einmal angesteckt hat, beliefen sich die Antigen-Kontakte also auf drei. Nach drei solcher Kontakte bildeten sich den Studien zufolge „qualitativ hochwertige Antikörper“, die auch die Omikron-Variante „zumindest teilweise“ neutralisieren könnten, heißt es in dem Papier. „Dies ist unabhängig von den unterschiedlichen Konstellationen der Antigenkontakte, also unabhängig davon, ob eine Person 3-fach geimpft, 2-fach geimpft und genesen oder genesen und 2-fach geimpft ist“, so die Experten weiter.

Video: Genesenen-Status gilt wieder 6 Monate, aber nicht für alle

Antikörper gegen Omikron: Experten empfehlen Infizierten den Booster

Allerdings müssten für diesen Effekt mindestens mehrere Wochen zwischen zwei Antigenkontakten liegen - und: „Aktuell kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie lange ein Schutz mehrfach Infizierter ohne Impfung besteht. Außerdem ist aktuell unklar, wie lange und in welchem Umfang der Schutz bei Genesenen mit nur einer Impfung (2 Antigenkontakte) besteht.“

Auch für weitere mögliche Kombinationen der drei Antigenkontakte lägen noch keine Daten vor. Davon auszugehen sei aber, dass Genesene, die eine andere Corona-Variante als Omikron hatten, kaum eine Antikörperantwort gegen Omikron entwickelten, sofern sie nicht davor oder danach eine Impfdosis erhielten. Den Betroffenen empfiehlt die Virologie-Gesellschaft daher dringend mindestens eine Booster-Impfung.

Corona-Genesenenstatus im Alltag: Bayern und Hamburg als „Vorreiter“

Was bedeutet das nun für die Praxis? Das Gremium ist dafür, dass alle Personen mit drei Antigenkontakten im Alltag gleichgestellt werden, und zwar „unabhängig von der Art der Antigenkontakte“. In Hamburg oder Bayern werde dies bereits so gehandhabt.

Die Gesellschaft für Virologie behält sich vor, ihre Empfehlung je nach neuer Datenlage zu ändern. Ciesek ist selbst Mitglied in dem Gremium. (frs)

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