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Krankenhausgesellschaft rechnet mit verschärfter Corona-Lage

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Situation in den Kliniken
Im Intensiv- und Überwachungsbereich in einer Rosotocker Klinik wird eine Patientin physiotherapeutisch versorgt. © Danny Gohlke/dpa/Symbolbild

Die vierte Corona-Welle läuft. Die Folgen spüren auch die Kliniken in Schleswig-Holstein mit ihren Intensivstationen.

Kiel - Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein rechnet mit einer sich verschärfenden Corona-Lage in den Kliniken des Landes. Noch sei die Situation auf den meisten Intensivstationen aber nicht angespannt, sagte Geschäftsführer Patrick Reimund.

In Schleswig-Holstein seien fast über die gesamte Pandemie hinweg die Infektionszahlen und auch die Zahl der Krankenhauspatienten geringer als im Bundesdurchschnitt. Die Effekte der Pandemie auf die Krankenhäuser seien in Schleswig-Holstein gedämpfter als in Ländern mit sehr hohen Inzidenzwerten wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen oder Thüringen. Jedenfalls bisher. „Da sind wir ein bisschen in einer glücklicheren Position“, sagte Reimund.

Seit September liege die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser im Norden zwischen 20 und 25. „Wir haben einen leichten Anstieg und wir müssen damit rechnen, dass die Zahlen weiter steigen.“ Die Zahl der Menschen in den Krankenhäusern sei ein Spätindikator. Krankenhauseinweisungen folgten mit zeitlicher Verzögerung zur Infektion und Erkrankung bei schweren Verläufen.

Um den Jahreswechsel 2020/2021 gab es nach Reimunds Angaben einen kurzfristigen Höchststand bei der Belegung von Intensivbetten mit Corona-Patienten von etwa 100. „Das war auch damals deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts, aber es war schon eine ziemlich angespannte Situation.“ Das sehe so aus, als gebe es eine Menge Luft, sagte Reimund. Allerdings würden Intensivbetten auch für andere Patienten gebraucht. Außerdem gab er zu bedenken: „Wir haben mehr als anderthalb Jahre Pandemie auf dem Buckel, besonders die Beschäftigten in den Krankenhäusern haben die auf dem Buckel, und das ist auch ermüdend.“ Das System sei im Moment nicht davor zu kollabieren. „Aber es ist chronisch angespannt.“

Die Personallage in den Krankenhäusern habe sich tendenziell etwas verschlechtert. Die Zahl der Mitarbeitenden auf den Intensivstationen sei leicht rückläufig. Wo andere Behandlungen zurückgefahren werden, wirke sich das sofort auf die Erlössituation der Krankenhäuser aus. Da die Pandemie zumindest über den Winter noch anhalten werde, müssten die Krankenhäuser wirtschaftlich abgesichert werden. Es gebe Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Insgesamt sei die wirtschaftliche Situation der Kliniken schwierig. „In Einzelfällen ist sie auch dramatisch“, sagte Reimund.

Der Kieler Virologe Prof. Helmut Fickenscher betonte die Bedeutung der dritten Impfung besonders für Menschen ab 70 Jahren. „Das ist dringlichst zu empfehlen.“ Von Juli bis Oktober habe es in Schleswig-Holstein mehr als 18 000 Coronafälle gegeben, davon seien 26 Prozent geimpft gewesen. 935 Patienten mussten ins Krankenhaus, von denen 32 Prozent geimpft gewesen seien. Von den 88 Menschen, die in dieser Zeit an oder mit Corona starben, waren nach Fickenschers Angaben 48 Prozent geimpft. Zu erklären sei das mit dem hohen Alter der Gestorbenen und mit dem in diesem Alter reduzierten und zeitlich verkürzten Impfschutz.

Das St. Franziskus-Hospital in Flensburg zog bereits Konsequenzen. Man habe angefangen, die reguläre Versorgung zu reduzieren, hatte Geschäftsführer Klaus Deitmaring am Donnerstag gesagt. Es gebe Kapazitätsengpässe.

Zuletzt wurden in Schleswig-Holstein innerhalb von 24 Stunden 421 neue Infektionen registriert (Stand Freitag). Eine Woche zuvor waren es 349. Die Zahl der Patienten, die wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen, stieg auf 83. Von ihnen wurden 25 auf der Intensivstation behandelt, 2 mehr als am Vortag und 10 mehr als noch vor einer Woche. 16 Corona-Intensiv-Patienten mussten beatmet werden.

Die Hospitalisierungsinzidenz - also die Zahl der Corona-Kranken, die je 100 000 Menschen binnen sieben Tagen in Kliniken aufgenommen wurden - lag am Freitag bei 2,03. Vergangenen Freitag hatte sie 1,61 betragen.

Die Landesregierung verfolgt die Situation nach Angaben des Gesundheitsministeriums sehr aufmerksam und ist dazu in engem Austausch mit den Expertinnen und Experten, Kommunen und Krankenhäusern. Derzeit könnten die Kliniken die aktuelle Situation gut bewältigen, dennoch sei es wichtig die Situation wachsam zu verfolgen und zu bewerten. dpa

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