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Nord-Grüne: Mit weiblicher Doppelspitze für Staatskanzlei

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Nord-Grüne mit weiblicher Doppelspitze zur Landtagswahl
KOMBO - Monika Heinold, Finanzministerin. Aminata Touré spricht im Kieler Landtag. © Frank Molter/dpa

Schleswig-Holsteins Grüne wollen nach der Landtagswahl die Regierung anführen. Für Platz eins sollen Finanzministerin Heinold und Landtags-Vizepräsidentin Touré sorgen. Nicht nur eines lässt das Spitzenduo offen.

Kiel - Schleswig-Holsteins Grüne wollen mit einer Mischung aus Erfahrung und Jugend nach der Landtagswahl im Mai den Ton angeben. Gut ein halbes Jahr vor der Wahl präsentierte die Parteispitze am Mittwoch das aus Finanzministerin Monika Heinold (62) und Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré (28) bestehende Spitzenduo. Nach dann zehn Jahren als zweitstärkste Kraft der Landesregierung in unterschiedlichen Konstellationen wollen die Grünen die Kieler Staatskanzlei erobern - mit wessen Hilfe bleibt offen.

Gemeinsam schlenderten Heinold und Touré bei Sonnenschein vom Regierungsviertel die Kiellinie entlang zu ihrer offiziellen Vorstellung in einem Restaurant an der Förde. Bekannt war die Kombination im Norden aber längst. „Ich würde gerne in die Staatskanzlei, ich würde gerne Ministerpräsidentin werden“, sagte Heinold. Ziel sei bei der Landtagswahl am 8. Mai Platz eins.

Dafür müsste die Partei aller Voraussicht nach besser abschneiden als bei der Bundestagswahl, als die Grünen im Norden 17,9 Prozent erreichten. Bei der Europawahl 2019 waren sie mit 29,1 Prozent erstmals stärkste Kraft in Schleswig-Holstein geworden. Seit 2012 sind sie in Regierungsverantwortung. Erst fünf Jahre in der sogenannten Küstenkoalition mit SPD und SSW, seit 2017 gemeinsam mit Union und Grünen in einer Jamaika-Koalition unter Führung der CDU um Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

Unterm Strich sei sie mit beiden Koalitionen zufrieden, sagte Heinold. Die Koalitionsfrage ließ sie offen. Gleichwohl sei die SPD den Grünen inhaltlich näher. Ihre Partei wolle einen eigenständigen Wahlkampf führen. Die nächste Regierung müsse mit der geplanten Ampel aus SPD, Grünen und FDP auf Bundesebene gut zusammenarbeiten. „Klima muss die Priorität Nummer eins haben.“

Selbstbewusst zeigte sie Touré: „Ich traue mir was zu.“ Sie könne sich vorstellen, in der Fraktion Verantwortung zu übernehmen, halte auch die Übernahme eines Regierungsamtes für denkbar. „Alles weitere werden wir nach der Wahl sehen.“ Touré selbst ging nach Heinolds Angaben selbst auf die Ministerin zu und bot an, als Duo um Stimmen zu werben. Sie wolle sich für gesellschaftliche Vielfalt, Chancengleichheit und den Klimaschutz einsetzen, sagte Touré. Als Landtags-Vizepräsidentin komme sie im Land viel herum. „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Leute denken, ich bin ein Schreckgespenst.“ Die 1992 in einem Flüchtlingslager in Neumünster geborene Frau mit Wurzeln im westafrikanischen Mali zog 2017 in den Landtag ein - als Nachrückerin für die Finanzministerin.

Lange Zeit galt Umweltminister Jan Philipp Albrecht (38) als potenzieller Spitzenkandidat, eventuell als Teil einer Doppelspitze mit Touré. Er bestätigte Anfang vergangener Woche jedoch, dass er an die Spitze der Heinrich-Böll-Stiftung wechseln will. Heinold hingegen hatte lange gezögert. „Ich habe mir das reiflich überlegt. Das hat nichts mit Amtsmüdigkeit zu tun.“ Seit 2012 ist sie Finanzministerin. Sie habe sich eher die Frage gestellt, ob sie noch für die Themen brenne.

Der Landesvorsitzende Steffen Regis sagte, „wir verstehen Politik als Teamaufgabe“. Heinold sei das soziale Gewissen der Partei, habe den Verkauf der HSH Nordbank geregelt und sei für die kommende Legislatur die geeignetste Ministerpräsidentin. Die Co-Vorsitzende Anna Tranziska betonte, dass es zwei Frauen seien, sei nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen. Die Grünen erhofften sich, mit den Kandidatinnen unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.

Zuvor hatte die Parteispitze die Doppelspitze vorgeschlagen. Ihre Landesliste wollen die Grünen auf einem Parteitag vom 10. bis 12. Dezember in Neumünster wählen. Touré hat dann für Platz zwei mit Philipp Schmagold einen Widersacher. Der habe seine Kandidatur allerdings vor ihr eingereicht, sagte Touré. Deshalb sei dieser kein Gegenkandidat, sondern sie trete eigentlich gegen ihn an.

Der designierte SPD-Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller sprach von einer interessanten Doppelspitze. Er bezeichnete Heinold als verantwortungsvolle Finanzministerin mit großen Verdiensten um das Land. „Aminata Touré ist eine starke Stimme der jungen Generation bei den Grünen und weit über die Landesgrenzen bekannt.“ dpa

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