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Lebenslange Strandverbote für Punks? Sylt greift gegen wildes Campen durch

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Von: Dagmar Schlenz

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Seit Pfingsten bevölkern Punks die Innenstadt und den Strand von Westerland auf Sylt. Die Gemeinde greift nun durch – und erteilt angeblich lebenslange Strandverbote.

Westerland/Sylt – Die Halbzeit-Bilanz für das 9-Euro-Ticket ist positiv. Doch nicht überall ist man froh über die Auswirkungen der neuen Mobilität. Auf der Nordseeinsel Sylt kommen die Busse durch das erhöhte Fahrgastaufkommen an ihre Kapazitätsgrenze. Und dann sind da noch die Punks, die Pfingsten mit dem 9-Euro-Ticket die Insel geentert haben. Sie haben sich in der Innenstadt von Westerland, auf der Promenade und am Hauptstrand häuslich eingerichtet und werden zur Belastung für Einheimische und Urlauber.

Jetzt greifen Gemeinde und Tourismus-Service durch.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Kreis:Nordfriesland (Schleswig-Holstein)
Fläche:99,14 km²
Einwohner:18.118 (2019) 183 Einwohner/km²

Punks auf Sylt: Wildes Campen am Strand –

Auf der Insel Sylt bietet sich in diesem Sommer ein ungewohntes Bild. Auf der sonst eher ruhigen Urlaubsinsel tummelt sich allerhand buntes Volk, um bei den Reichen zu chillen und zu feiern. Als Standort haben sich die Punks den Brunnen bei der „Dicken Wilhelmine“ ausgesucht, was für die umliegenden Geschäfte und Restaurants in Westerland zunehmend zur Belastung wird. Die Nacht verbringen viele der Punks an der Promenade und am Hauptstrand von Westerland.

Das wurde zunächst geduldet, doch nachdem sich die Beschwerden von Urlaubsgästen gehäuft hatten, kündigte die Gemeinde Mitte Juli verstärkte Kontrollen an. „Kein Müll, keine Feuer, keine Übernachtungen am Strand – wie auf vielen anderen Nordseeinseln auch – gelten solche Vorschriften auf Sylt. Ebenso gelten die Pflicht zur Kurabgabe und die Achtung des Hausrechts“, heißt es auf der Facebook-Seite der Gemeinde.

Punks auf Sylt: Ordnungsamt weitet Kontrollen aus

Ein gemeinsames Team vom Sylt Tourismus Service (ISTS), dem Ordnungsamt und der Polizei werde Kontrollen an der Westerländer Strandpromenade, am Strand und an weiteren Orten durchführen, teilt die Gemeinde Sylt auf Facebook mit. Bereits seit Anfang Juli soll ein Sicherheitsdienst in der Innenstadt von Westerland für Ordnung sorgen. Dort hatte sich die Lage zwischenzeitig etwas entschärft, viele der Punks waren wieder abgereist.

Das wilde Campen am Strand und auf der Promenade ist aber weiterhin ein Problem, gegen das jetzt mit den verstärkten Kontrollen vorgegangen werden soll. Am ersten Kontrollmorgen habe es 19 Fälle mit 19 Ordnungswidrigkeiten (zum Beispiel Übernachten am Strand) und neun Straftaten (Verstoß gegen die Kurabgabenpflicht) gegeben, so Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt. An den Folgetagen seien es um die zehn Fälle mit etwa zehn Ordnungswidrigkeiten und rund fünf Straftaten gewesen.

Angeblich lebenslange Strandverbote für Punks auf Sylt

Bisher hatte das Reinigungspersonal des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) morgens die schlafenden Punks von der Promenade vertrieben, jetzt übernimmt dies das neu zusammengestellte Team der Gemeinde Sylt und des ISTS. Drei Punks aus Berlin erzählen dem Hamburger Abendblatt, sie seien zwischen 7 und 8 Uhr morgens vom Strand verscheucht worden. Die Kontrolle hätte das Ordnungsamt in Begleitung der Polizei durchgeführt. „Wir haben lebenslanges Strandverbot bekommen.“, so einer der Punks.

Sylt: Ist ein lebenslanges Strandverbot für die Punks in Westerland möglich?
Sylt: Ist ein lebenslanges Strandverbot für die Punks in Westerland möglich? (Symbolbild) © Dagmar Schlenz/imago/Montage

Erteilt die Gemeinde Sylt den Punks tatsächlich lebenslange Strandverbote? Das verneint Bürgermeister Nikolas Häckel auf Rückfrage von 24hamburg.de. „Die Gemeinde/das Ordnungsamt spricht kein „lebenslanges Hausverbot am Strand“ aus und ist hierfür auch gar nicht zuständig.“, so Häckel. Am Strand Platzverweise aussprechen dürfen nur Tourismus-Service und Polizei. Eine Auskunft des Insel-Sylt Tourismus-Service (ISTS) zu den Strandverboten liegt der Redaktion bislang nicht vor.

Demonstrationen und Protestcamp auf Sylt geplant

Am letzten Wochenende wurde es wieder besonders voll auf der Nordseeinsel. Ein linkes Bündnis hatte dazu aufgerufen, am 16. Juli 2022 Sylt zu entern und den Reichen die Ferien zu versauen. Die Veranstalter forderten, dass sich Reiche nicht länger geschützt von der Politik aus der gesellschaftlichen Verantwortung ziehen dürften. Etwa 400 Personen waren dem Aufruf von „Wer hat, der gibt“ gefolgt und haben auf Sylt an einem lauten, aber friedlichen Umzug nach Kampen teilgenommen.

Und es soll noch weitere Veranstaltungen linker Aktivisten auf der Nordseeinsel Sylt geben. Am 30. Juli 2022 will man den Nazi offensiv entgegentreten, die an diesem Tag auf der Nordseeinsel demonstrieren wollen. Die als rechtsextrem eingestufte Partei „Die Rechte“ ruft ihre Anhänger auf, Ende Juli auf Sylt auf die Straße zu gehen. Linke Gruppierungen organisieren unter dem Motto „Sylt gehört dem Pöbel!“ einen Gegenprotest. Anfang August plant dann die “Aktion Sylt“ ein linkes Protestcamp in Westerland.

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