1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Schleswig-Holstein

Ballermann auf Sylt: Sauf-Touristen sollen Partyzone bekommen

Erstellt:

Von: Dagmar Schlenz

Kommentare

Auf der Insel Sylt sollen für Punks und Partyvolk abgeriegelte Areale geschaffen werden, um die Urlauber nicht zu stören. Das fordert ein Sylter Immobilien-König.

Sylt – Der erste Monat mit 9-Euro-Ticket ist fast vorbei, die Sommerferien beginnen und auf der beliebten Ferieninsel Sylt hat man immer noch ein Problem: die Punks in Westerland. An Pfingsten sind sie nach Sylt gekommen, um die Insel mit dem 9-Euro-Ticket zu entern – und sind geblieben. Die „Belagerung“ der Promi-Insel dauert nun schon fast 4 Wochen an, und Gastronomen und Unternehmer fürchten um die Urlaubssaison 2022 auf Sylt, berichtet 24hamburg.de.

Name:Sylt (friesisch Söl, dänisch Sild)
Fläche:99,14 Quadratkilometer
Bevölkerung:15.169 (2012)
Breite:12,6 Kilometer

Punks auf Sylt: Öffentliche Bereiche schützen

Wer in Westerland auf Sylt vom Bahnhof Richtung Innenstadt geht, den empfing in den letzten Tagen ein ungewohntes Bild. Die „Dicke Wilhelmine“ saß in ihrem Brunnen fast auf dem Trockenen – und hinter Gittern. Ein handgemaltes Pappschild prangerte den Zustand an. „Kleingeld für die Freilassung der Wilhelmine. Sie ist unschuldig“ stand dort geschrieben. Der eingezäunte Brunnen war eine erste Maßnahme gegen die Punks auf Sylt, ebenso wie ein zugemauerter Durchgang hinter der „Dicken Wilhelmine“ in Westerland.

Doch die Maßnahmen fruchten wenig und wurden zunehmend kritisiert, weswegen Arbeiter den Zaun um die „Dicke Wilhelmine“ wieder abgebaut haben. Und die Punks sind immer noch da, nehmen ein Sonnenbad am Brunnen und schnorren weiter die großzügigen Passanten auf Sylt an. Ole König, Immobilien-Makler in der dritten Generation und neuerdings auch Hotelier, ist besorgt. „Geschäftsleute sehen sich in ihrer Existenz bedroht“, sagt König gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Er fordert, öffentliche Bereiche mit einer kommunalen Satzung vor dem Lagern, Lungern und Stören zu schützen.

Punks auf Sylt sind eine Belastung

Der Immobilien-Unternehmer Ole König betont, dass die Insel Sylt grundsätzlich jedem offen stehen solle. Das Verhalten der Punks sieht er aber als Belastung. Sie würden provozieren, wild campieren und seinen übergriffig. Seiner Meinung nach müsste die Gemeinde nur den Willen haben, die öffentliche Ordnung durchzusetzen.

Grundsätzlich muss die Insel jedem offen stehen. Aber es dürfen nicht andere Menschen gestört werden.

Der Sylter Unternehmer Ole König gegenüber dem Hamburger Abendblatt

König sieht es als mögliche Lösung des Problems, den Punks einen anderen Platz anzubieten, zum Beispiel im Stadtpark gegenüber vom Rathaus von Westerland. Das Rathaus befindet abseits der Fußgängerzone, etwa hundert Meter entfernt von dem Brunnen mit der „Dicken Wilhelmine“. Wenn es nach dem Sylter Unternehmer geht, dann könnten die Punks bald vor dem Amtssitz von Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) chillen und feiern. Dort, so Unternehmer König, könnten sie sich frei entfalten, ohne andere Menschen zu stören.

Ballermann auf Sylt: Eigene Partyzone am Strand – „Wir machen Malle jetzt auf Sylt“

Zum Start des 9-Euro-Tickets hatten die Musiker Klaus Taler und Ikke Hüftgold den passenden Song für Sylt parat, und so grölten schon die ersten 9-Euro-Party-Touristen beim Aussteigen am Bahnhof Westerland „Wir machen Malle jetzt auf Sylt.“ Ausgelassene Partys am Strand von Westerland hat es jeden Sommer gegeben, doch mit dem verbilligten Bahn-Ticket sind schon jetzt deutlich mehr Feierwütige auf der Insel eingetroffen.

Für die hat Unternehmer Ole König auch eine Idee. Man könnte ja dem Party-Volk in Westerland einen Strandabschnitt zuweisen, an dem dann ein Sicherheitsdienst das Geschehen im Blick hat. Ob damit das Problem gelöst wird? Bisher muss sich die Polizei um die Feiernden am Strand kümmern. Am vergangenen Wochenende beendete sie eine große Strand-Party in Westerland, wie die Sylter Rundschau berichtet. Rund 30 Personen, bei denen es sich offensichtlich nicht um Punks gehandelt hatte, feierten lautstark, bis die Beamten anrückten.

Strandkörbe am Strand von Westerland, daneben ein Bild von jungen Leuten, die mit Strohhalmen Sangria aus einem Eimer trinken. Party-Zone am Strand von Westerland: Sylter Immobilien-Unternehmer Ole König will eigenen Bereich für Punks und Jugendliche.
Partyzone am Strand von Westerland: Sylter Immobilien-Unternehmer Ole König will eigenen Bereich für Punks und Jugendliche. © Dagmar Schlenz/imago/Montage

Die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) äußert sich gegenüber 24hamburg.de nicht zu den konkreten Vorschlägen des Unternehmers, eine Partyzone am Strand auszuweisen. Moritz Luft, Geschäftsführer der SMG, betont aber, dass sich die Sylt Marketing Gesellschaft gemeinsam mit allen Beteiligten für ein friedliches und geordnetes Miteinander einsetze. Es wird auf jeden Fall ein heißer Party-Sommer an der Nordsee, denn am Strand und auf der Promenade finden im Juli 2022 auf Sylt zahlreiche Veranstaltungen statt.

Gäste werden durch die Punks auf Sylt abgeschreckt

Der Immobilien-Unternehmer König zeigt sich indes überrascht, dass es für die Sommer-Monate Juli und August nicht die erwartet hohe Nachfrage für Sylt gibt. Er vermittelt mehr als 300 eigene und fremde Ferienwohnungen und -häuser auf der Nordseeinsel und betreibt seit kurzen auch ein Boutique-Hotel in Westerland. Ob die Zurückhaltung der Urlauber an den neuen Sylt-Gästen mit den bunten Haaren liegt, lässt König gegenüber dem Hamburger Abendblatt offen.

Ein Ehepaar aus Eckernförde, das sich in einem Leserbrief an die Sylter Rundschau gewandt hat, lässt dagegen keine Zweifel am Grund für die Stornierung ihres Herbst-Urlaubs auf Sylt: Es sind die Punker auf der Insel. Das Ehepaar war Anfang Juni auf Sylt und störte sich so sehr am Anblick und den Pöbeleien in der Friedrichstraße, dass sie ihre Pläne für einen weiteren Herbst-Urlaub auf der Nordseeinsel verworfen haben. Die Reaktionen auf den Leserbrief sind geteilt.

Einige Leserinnen und Leser äußern auf Facebook Verständnis, andere halten die Entscheidung des Ehepaars für übertrieben. Ein Facebook-User zieht den Vergleich zu Mallorca und kommentiert „Das ist genau so, als ob man den Mallorca Urlaub storniert wegen ein paar hundert Metern Ballermann.“ Ob mehr Sylt-Urlauber aufgrund der neuen Situation auf andere Ziele ausweichen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Zum Beginn der Sommerferien Anfang Juli werden neben Feriengästen jedenfalls auch linke Demonstranten auf Sylt erwartet, die für weitere Unruhe im Urlaubsparadies sorgen könnten.

Auch interessant

Kommentare