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Zeuge: Mutmaßlicher Dreifachmörder war ein gebrochener Mann

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Laut Staatsanwaltschaft hat ein Zahnarzt aus Rache seine Frau und zwei weitere Männer getötet. Freunde beschreiben den Angeklagten vor Gericht als gebrochenen Mann.

Kiel - Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord eines Zahnarztes aus Westensee haben Freunde des Angeklagten Details aus seinem Leben und dem Scheitern seiner Ehe geschildert. Demnach stand der Zahnarzt in der Ehe und finanziell quasi mit dem Rücken zur Wand. „Er war gebrochen. Er wusste einfach nicht mehr, was er machen sollte“, sagte ein Jugendfreund des Angeklagten am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. Der 48-Jährige habe seine Frau zurückgewollt, sie „war sein zentraler Dreh- und Angelpunkt“. Für die 43-Jährige aber sei die Ehe nach den Seitensprüngen ihres Mannes und dessen gewalttätigen Übergriffen „irreversibel kaputt“ gewesen.

Ein anderer Freund, ein Apotheker, berichtete am zweiten Verhandlungstag, der 48-Jährige habe sich „emotional nicht damit abfinden können, dass sich seine Frau einen neuen Partner suchte“. Er habe Anerkennung für seine Erfolge und wirtschaftlichen Leistungen in der Ehe vermisst, sagte der Mann, bei dem der Angeklagte noch vor dem Tattag übernachtete. Gegenüber ihm und anderen Freunden habe der Zahnarzt sein Schicksal beklagt und sei auch immer mal wieder antriebslos gewesen. Doch am Tattag, als er aus dem Haus gegangen sei, „hatte er was vor, wirkte entschlossen, in Eile, nicht niedergeschlagen“, berichtete der Zeuge.

Laut Anklage erschoss der Zahnarzt am 19. Mai 2021 seine Frau und ihren neuen Bekannten in Dänischenhagen aus Rache und Vergeltung sowie einen weiteren gemeinsamen Bekannten des Ehepaares in Kiel. Der Mann soll ihr laut Anklage von seinen Seitensprüngen berichtet haben.

Nach Schilderungen der Freunde des Zahnarztes unternahm das Ehepaar 2020 noch eine gemeinsame Segeltour. Doch sei die Ehe nicht mehr zu retten gewesen, nachdem der Angeklagte seine Frau im November geschlagen habe. Sie habe nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen und ein Gewaltschutzabkommen erwirkt. Er sei durch die Trennung seiner Frau völlig am Ende gewesen und habe keine Lebensperspektive mehr gesehen.

Der Jugendfreund, der zu helfen versuchte, riet dem Angeklagten, seine Praxisimmobilie zu verkaufen und sich endlich ärztliche Hilfe zu holen. 800 000 bis 900 000 Euro Schulden lasteten demnach auf dem Gebäude, sagte der Zeuge. Aus seinen Einkünften als Zahnarzt hätte der Freund dann Frau und Kindern Unterhalt zahlen können, habe er vorgeschlagen. Doch der Angeklagte habe erwidert: „Nein, die werden mich weiterhin knebeln. Ich komme nie wieder auf die Füße.“ Der Angeklagte sei sehr still gewesen, sehr leise: „Er war schon gar nicht mehr in der Gegenwart“, sagte der Zeuge.

Der 48-jährige Zeuge war auch geladen, weil er die erste der beiden mutmaßlichen Tatwaffen des Angeklagten, eine Maschinenpistole vom Typ Uzi, zerlegt und unter anderem in der Förde versenkt habe. Zu diesem Komplex wollte sich der Mann nicht äußern, um sich nicht selbst zu belasten. Gegen ihn wird wie gegen den Angeklagten wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz ermittelt. Die zweite mutmaßliche Tatwaffe hatte der Zahnarzt bei sich, als er sich am Tatabend der Polizei stellte. dpa

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