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Flughafen-Chaos: Flüge gestrichen, Verspätungen, Schlangen – Sommer-Urlaub könnte zäh werden

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Von: Martina Lippl

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Nach zwei Jahren Corona hat viele die Reiselust gepackt. Wer in den Urlaub fliegt, muss sich, wie hier in Düsseldorf auf lange Schlangen gefasst machen.
Nach zwei Jahren Corona hat viele die Reiselust gepackt. Wer in den Urlaub fliegt, muss sich, wie hier in Düsseldorf auf lange Schlangen gefasst machen. © IMAGO/Ying Tang

Warteschlangen am Sicherheits-Check und Pannen bei der Abfertigung – an deutschen Flughäfen herrschen Ausnahmezustände. Das Fliegen in Sommer-Urlaub wird zum Roulette.

Berlin – Wie soll das erst in den Sommerferien werden? Wegen Personalmangel ziehen die Lufthansa und die Tochter Eurowings schon die Reißleine. Mehr als tausend Flüge im Juli haben die Airlines allein von Frankfurt und München gestrichen. Die Wochentage Freitag, Samstag und Sonntag sind nach Angaben von Lufthansa besonders von den Streichungen betroffen. Easyjet soll 1.000 Flüge gestrichen haben. Droht jetzt ein Sommerchaos mit Ansage?

Droht Deutschland Reisechaos an den Flughäfen zu den Sommerferien?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) rechnet nicht mit einer baldigen Entspannung an deutschen Flughäfen. „Kurzfristige Lösungen wären zwar äußerst wünschenswert, sind aber nicht sehr wahrscheinlich“, sagte Wissing der Bild am Sonntag (BamS) mit Blick auf den Personalmangel an den Flughäfen sowie Verspätungen und Streichungen von Flügen. Die Situation im europäischen Luftverkehrssystem sei für alle „eine enorme Herausforderung“. Der Fachkräftemangel erreiche den Alltag der Menschen immer stärker.

Die CSU wirft dem Verkehrsminister Versäumnisse vor. Wissing könne „sich nicht einfach achselzuckend wegducken und die Menschen mit dem von der Ampel mitverschuldeten Verkehrschaos allein lassen“, kritisierte der CSU-Verkehrsexperte Ulrich Lange in der BamS.

Wer auf gepackten Koffern am Flughafen sitzt, muss sich auf einiges gefasst machen. In der Hauptreisezeit müssen Passagiere viel Geduld haben. Zu Spitzenzeiten könne es „zu Wartezeiten in den Terminals kommen“, warnte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens Fraport. Auch der Deutsche Reiseverband riet Reisenden in den Sommermonaten, frühzeitig zum Flughafen anzureisen und sich auf lange Wartezeiten einzustellen.

FDP-Verkehrsminister Volker Wissing
Keine Entspannung bei Flughafenchaos laut FDP-Verkehrsminister Volker Wissing. © Britta Pedersen/dpa

Chaotische Zustände bei KLM, Tui und Easyjet: Tausende Passagiere gestrandet

Tausende Briten sind wegen gestrichener Flüge am Pfingstwochenende im Ausland gestrandet. Die niederländische Fluglinie KLM hatte tausende Fluggäste an verschiedenen Flughäfen in Europa einfach sitzen gelassen. Um solchen Szenarien vorzubeugen, dünnen viele Airlines, wie eben Lufthansa ihre Flugpläne aus. Es fehlt überall an Personal. Beim Check-in, in den Sicherheitskontrollen sowie in der Flugzeugabfertigung sind rund 20 Prozent der Stellen nach Angaben des Flughafenverbandes ADV unbesetzt.

Urlauber und Reisebüros müssen alles ausbaden

„Zwei Jahre Personalabbau rächen sich jetzt“, sagt Marija Linnhoff, Vorsitzende des Reisebüroverbandes VUSR in der BamS. „So kurz vor der Sommersaison muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.“ Und neben den Urlaubern sollen das jetzt wieder die Reisebüros mit unzähligen Stunden unbezahltem Krisenmanagement ausbaden, was sich die Airlines und Veranstalter einsparen.

Drohendes Sommerchaos an Flughäfen – Airlines verteidigen sich

Die Airlines verteidigten sich und machen die Politik für die Situation verantwortlich. „Die Aufhebung der Reisebeschränkungen ist von den Regierungen sehr kurzfristig entschieden worden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow. Deshalb habe es keine „verlässliche Planbarkeit bei der Personalausstattung für die Wiederaufnahme des Verkehrs“ gegeben.

Warnstreik bei Easyjet: Airline streicht 20 Flüge

In Berlin-Schönefeld vermieste ein Warnstreik bei Easyjet vielen Fluggästen am Freitag (10. Juni) den Start in den Urlaub. Flüge nach Nizza, Mallorca, Amsterdam, Malaga, Kopenhagen und London fielen aus. Nach Angaben von Easyjet strich die Airline rund 20 von 130 Flügen an diesem Tag. Wegen Personalmangels hat Easyjet schon einen Teil des Flugplans gestrichen. Allein vom Hauptstadtflughafen BER sind täglich zwölf Flüge betroffen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. (afp/ml)

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