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Corona-Lage: Virologe Streeck erklärt, wo sich jetzt die meisten Menschen anstecken

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Von: Kai Hartwig

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Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, steht in einem Labor seines Institutes
Virologe Hendrik Streeck sieht derzeit die größte Corona-Ansteckungsgefahr im privaten Rahmen. © Rolf Vennenbernd/dpa

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen kam es vielerorts zum Ende der Maskenpflicht. Die gilt nur noch in Ausnahmefällen. Eine Gefahr? Virologe Streeck beruhigt.

München – Seit Anfang April gilt die Corona-Maskenpflicht bundesweit nur noch in wenigen Bereichen des täglichen Lebens. Im öffentlichen Nahverkehr, bei Fernreisen (Zug, Flugzeug etc.) sowie in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen muss weiterhin eine FFP2-Maske getragen werden. Dagegen kann beim Shopping oder Gang in den Supermarkt ganz auf den Mund-Nasen-Schutz verzichtet werden.

Schaut man sich dieser Tage in Supermärkten oder Kleiderläden um, fällt eines auf: Die Zahl der Maskenträger nimmt immer mehr ab. Wagten sich in den ersten Tagen nach Ende der Corona-Maskenpflicht nur wenige Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz in die Einrichtungen des täglichen Bedarfs, sind inzwischen die Kundinnen und Kunden mit einer Maske klar in der Unterzahl.

Corona-Lockerungen: Mehr Ansteckungen durch Ende der Maskenpflicht? Virologe Streeck beruhigt

An Supermärkten hängen zwar Empfehlungen, weiterhin auf einen Mund-Nasen-Schutz zu setzen. Verpflichtend ist die Einhaltung dessen aber nicht. Und offenbar entscheiden sich viele Menschen derzeit gegen die Maske. Droht dies den Pandemieverlauf negativ zu beeinflussen?

Virologe Hendrik Streeck glaubt das nicht. Der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn sieht die derzeit größte Ansteckungsgefahr woanders. „Von den Daten, die wir haben, wissen wir, dass rund 70 bis 80 Prozent der Infektionen auf das Private zurückzuführen sind, also wenn man sich mit Freunden trifft“, sagte Streeck zu RTL.

Für den Wissenschaftler steht außer Frage, „dass der größte Einfluss auf das Infektionsgeschehen gar nicht wir selber sind, sondern die Saisonalität“. Streeck geht wie andere Experten davon aus, dass die Corona-Zahlen im Sommer nach unten gehen. Auch die Maskenträger werden mutmaßlich immer weniger.

Corona-Zahlen gehen in Deutschland nach unten – doch es wird auch viel weniger getestet

Bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz zeigt der Trend trotz Lockerungen zumindest klar nach unten. Deren Wert lag am 21. März laut Robert Koch-Institut bei über 1.700, genau einen Monat später gab das RKI einen Inzidenzwert von 720 an.

Allerdings sank in diesem Zeitraum auch die Zahl der PCR-Tests in Deutschland deutlich, von über zwei Millionen auf nur noch knapp über eine Million. Daher muss bei den Corona-Neuinfektionen von einer möglichen Dunkelziffer in beachtlicher Höhe ausgegangen werden. Ob sich die Pandemie trotz oder wegen des Verzichts auf einige der bisherigen Corona-Maßnahmen positiv entwickelt, lässt sich deshalb nicht zweifelsfrei sagen. (kh)

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