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Ärztevereinigung: Booster-Impfungen gewinnen an Fahrt

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Digitaler Impfnachweis
Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft. © Stefan Puchner/dpa/Illustration

Etwa 40 Prozent der Menschen im Freistaat sind weiterhin nicht gegen das Corona-Virus geimpft. Andere bekommen unterdessen schon die Booster-Spritze.

Erfurt/Jena - Während die Zahlen bei den Corona-Erst- und Zweitimpfungen in Thüringen stagnieren, sind die sogenannten Booster-Impfungen zunehmend gefragt. Wurden vergangene Woche noch rund 11 400 dieser Impfungen zur Stärkung des Impfschutzes gegen Covid-19 verabreicht, kamen in dieser Woche rund 2000 mehr Menschen zum Impfen zwecks Auffrischung (13.400), wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) am Mittwoch sagte. Mit dem Wegfall der Altersbeschränkungen werde eine weitere Zunahme erwartet. Die Zahlen für Erst- und Zweitimpfungen hingegen blieben laut Sprecher auf dem Niveau der vergangenen Wochen.

Für die laufende Woche wurden laut KVT bislang insgesamt rund 19.500 Impf-Termine vergeben. Gerade einmal bei rund 3000 handelte es sich um Erst-, bei rund 3200 um Zweitimpfungen. In der vergangenen Woche hingegen waren rund 5300 Erst- und rund 6700 Zweitimpfungen unter den insgesamt rund 23 400 terminierten Covid-19-Impfungen. Die Zahlen der Impfungen ohne Termin lagen der KVT noch nicht vor.

Der Psychologie-Professor Tobias Rothmund geht nicht davon aus, dass die stockende Impfkampagne in Thüringen von selbst noch an Fahrt aufnimmt. Gerade in Thüringen und Sachsen habe es den Anschein, dass Impfverweigerung auch eine Art passiver Widerstand gegen Autoritäten sei, sagte der Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Universität Jena. Da Wissenschaft und Politik häufig gemeinsam sprächen, würden diese beiden Personengruppen in der subjektiven Wahrnehmung vermischt. Von beiden wolle man sich nicht bevormunden lassen.

Und: „Wir haben vergangenes Jahr eine Studie durchgeführt, in der wir zeigen konnten, dass sich deutschlandweit eine Gruppe von knapp 20 Prozent schwer damit tut, wissenschaftlich plausible von wissenschaftlich unplausiblen Annahmen zu unterscheiden“, sagte der Professor weiter. Dabei seien Aussagen nebeneinander gestellt worden, die teils wissenschaftlich belegt und teils abstrus gewesen seien. Diese Gruppe habe die Aussagen jeweils ähnlich plausibel bewertet.

„Dass Menschen in Teilen an irrationale Dinge glauben, ist nicht überraschend. In anderen Bereichen akzeptieren wir das teilweise sogar. Ein Beispiel dafür ist die breite Akzeptanz von Homöopathie“, so Rothmund. Das könne nicht allein durch einen Informationsüberfluss erklärt werden. Problematisch sei jedoch die Masse an Unwahrheiten, die beim Thema Impfen durch soziale Medien im Umlauf seien. Langfristig helfe hier nur, das rationale Denken zu schulen. dpa

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