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Juso-Doppelspitze gewählt: Unzufriedenheit mit Rot-Rot-Grün

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Thüringer Jusos
Ein Jusos-Aufsteller steht bei einem Parteitag. © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Der Thüringer SPD-Nachwuchs versucht es mit einer Tandem-Lösung an der Spitze. Die Jusos wollen Rot-Rot-Grün in Thüringen „neues Leben einhauchen“.

Gera - Thüringens Jusos haben erstmals eine Doppelspitze. Die Ilmenauer Studentin Melissa Butt und der in Erfurt lebende Maximilian Schröter wurden am Samstag in Gera mit großer Mehrheit als Landesvorsitzende gewählt. Die 24 Jahre alte Butt und der 27 Jahre alte Schröter erhielten jeweils rund 96 Prozent der abgegebenen Stimmen und wollen als gleichberechtigtes Team an der Spitze der Nachwuchsorganisation der SPD agieren.

Sie wollten für die Interessen junger Menschen und für eine linke Politik streiten, kündigten sie an. Ziel sei, die Jusos als Teil einer Jugendbewegung attraktiver für politisch interessierte junge Leute in Thüringen zu machen. Die Möglichkeit, eine Doppelspitze zu wählen, hatte sich der SPD-Nachwuchs durch eine Regeländerung erst vor einigen Monaten geschaffen.

Der bisherige Landesvorsitzende Oleg Shevchenko trat nach vier Jahren an der Spitze der Thüringer Jusos für das Amt nicht mehr an. „Bei einem Jugendverband gehört Wechsel an der Spitze dazu. Vier Jahre sind eine lange Zeit“, sagte der 26-Jährige nach zwei Amtszeiten. Die Jusos haben nach eigenen Angaben in Thüringen rund 800 Mitglieder. Die Bundestagswahl habe dafür gesorgt, dass es Neueintritte gegeben habe, so ein Sprecher.

Unzufrieden zeigten sich die Jusos in einem Papier, das in Gera beschlossen wurde, mit der Arbeit der rot-rot-grünen Minderheitskoalition in Thüringen. Die Jusos stünden zum Dreierbündnis aus Linke, SPD und Grünen, dem vier Stimmen im Landtag zur eigenen Mehrheit fehlen. „Aber wir fordern alle Koalitionspartner:innen auf, den Dauerwahlkampf-Modus untereinander zu beenden. Es braucht eine Landesregierung, die mehr in der Sache kämpft, als sich mit sich selbst beschäftigt.“ Gemeinsam mit den anderen Jugendverbänden wollen die Jusos sich dafür einsetzen, „Rot-Rot-Grün neues Leben einzuhauchen“.

Kritik übten sie am Landeshaushalt, der seit Oktober dem Parlament vorliegt. „Sparen in der Krise hat noch nie geholfen – die Aufnahme neuer Kredite ist nachhaltiger als die Zukunft kaputtzusparen“, so die Jusos.

Ihr Beschlusspapier enthält deutliche Kapitalismuskritik. „Der Markt regelt einen Scheiß.“ Die Beseitigung von Ungerechtigkeiten und ein gutes Lebens habe im Kapitalismus seine Grenzen. „Unsere Maxime lautet daher unverändert: Wir müssen den Kapitalismus überwinden.“ dpa

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