1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Thüringen

Steigende Nachfrage nach Jodtabletten: Lieferprobleme

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Jodtabletten
Eine Apothekerin hält eine Packung Jodtabletten. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Im Ukraine-Krieg wird auch nahe von Atomkraftwerken gekämpft. Das schürt auch in Thüringen Ängste - und führt zu vermehrter Nachfrage nach Jodtabletten bei Apotheken. Sinnvoll ist das jedoch kaum.

Erfurt - Die angesichts des Ukraine-Krieges gestiegene Nachfrage nach Jodtabletten könnte für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen in Thüringen zum Problem werden. Einige Präparate seien zuletzt nicht mehr lieferbar gewesen, teilten die Landesapothekenkammer (LAKT)und der Apothekerverband Thüringen auf Anfrage mit. Das habe unter anderem Großpackungen betroffen, aber auch Präparate mit einer höheren Dosierung. Die Apotheker raten vor einer präventiven Einnahme von Jodtabletten ab.

„Die vermehrte Nachfrage ist da“, sagte ein LAKT-Sprecher. Die Menschen hätten Angst und den Wunsch, sich selbst zu schützen. Im Falle eines atomaren Unfalls würde radioaktives Jod freigesetzt, das Schilddrüsenkrebs auslösen könne. Nehme der Mensch vorher genügend nicht-radioaktives Jod auf, könne somit die Schilddrüse blockiert werden, erklärte er. Die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden haben für diesen Zweck rund 190 Millionen Tabletten in Deutschland eingelagert.

Handelsübliche Jodtabletten zu sich zu nehmen sei jedoch „sinnlos“, sagte der LAKT-Sprecher weiter. Die Präparate seien viel zu niedrig dosiert für eine Jodblockade: „Man müsste als Erwachsener drei Packungen essen, um diesen Schutz aufzubauen.“

Auch der Vorsitzende des Apothekerverbands Thüringen, Stefan Fink, sagte: „Es muss keine Hamsterkäufe geben, weil die bringen nichts.“ Wer anlasslos eine Jodblockade durchführe, riskiere unangenehme Nebenwirkungen. Auf der anderen Seite seien nun Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen - die solche Tabletten eigentlich bräuchten - benachteiligt, weil ihre Medikamente teils nicht mehr lieferbar waren. Ihm zufolge entspannte sich die Liefersituation jedoch zuletzt wieder etwas.

In der vergangenen Woche war auf dem Gelände von Europas größtem Atomkraftwerk in der Ukraine nach Kämpfen ein Feuer ausgebrochen, das inzwischen gelöscht ist. Der Vorfall hatte neue Ängste vor einer Atomkatastrophe geschürt. dpa

Auch interessant

Kommentare