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Tageshöchstwert bei Infektionen: Corona-Regeln verschärft

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Corona-Tests
Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

So viele neuen Corona-Fälle an einem Tag hatte Thüringen noch nie seit Pandemiebeginn. In drei Kreisen steht die Corona-Warnampel inzwischen auf Rot. Das Land verschärft die Pandemieregelungen.

Erfurt - Thüringen will die stark steigenden Infektionszahlen mit einer Verschärfung der Corona-Regeln und einem erweiterten Angebot bei Auffrischungsimpfungen in den Griff bekommen. Eine überarbeitete Verordnung des Landes sowie ein Erlass, der einen Rahmen für kommunale Regelungen gibt, wurden am Freitag in Erfurt vom Gesundheitsministerium vorgelegt. Mit der Neufassung der Verordnung würden das 2G- oder 3G-plus-Modell auch auf Restaurants, Gaststätten und religiöse Zusammenkünfte ausgeweitet, teilte das Ministerium mit.

Der Freistaat verzeichnete am Freitag den höchsten Tageswert bei Corona-Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie im März 2020. Innerhalb von 24 Stunden wurden 1563 neue Fälle gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz ist mit 288,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner weiterhin die höchste bundesweit.

2G bedeutet, dass der Zutritt nur Geimpften und Genesenen gewährt wird. Im Gegenzug kann dann auf Infektionsschutzregeln wie das Tragen einer Maske oder Abstandsregeln verzichtet werden. Beim 3G-plus-Modell erhalten Geimpfte und Genesene Zutritt sowie Menschen, die einen negativen PCR-Test oder einen ähnlichen Test vorweisen können. Ein gewöhnlicher Antigen-Schnelltest reicht nicht.

Mit dem Erlass erhalten die Kommunen ab Corona-Warnstufe 2 die Möglichkeit, das 2G- oder 3G-plus-Modell in bestimmten Bereichen verpflichtend einzuführen. Ab Warnstufe 3 sollen die Zugangsbeschränkungen verpflichtend für die kommunalen Verordnungen sein. Das gelte unter anderem für Messen, Jahrmärkte, Konzerte, Kinos, Diskotheken, Clubs oder Reisebusse. In Thüringen gilt die Warnstufe drei inzwischen in drei Landkreisen: neben dem Kyffhäuser- und dem Ilm-Kreis seit Freitag auch im Kreis Schmalkalden-Meiningen.

„Mit mehr als 1500 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden haben wir heute einen traurigen Allzeitrekord erreicht“, erklärte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). Die Zahl der Intensivpatienten und der Todesfälle sei höher als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt.

Die Präsidentin des Thüringer Landkreistages, Martina Schweinsburg, kritisierte das Vorgehen der Landesregierung und forderte eine Anhörung der Kommunen. „Eine flächendeckende Anwendung von 2G beziehungsweise 3G plus stellt im ländlichen Raum zudem insbesondere für kleinere Geschäfte und Gaststätten praktisch eine Schließung dar“, erklärte sie.

Kritik kam auch von der Industrie- und Handelskammer Südthüringen nach einer Umfrage unter Mitgliedsbetrieben. Demnach hielten 63 Prozent der Südthüringer Wirte beide Optionen nicht für umsetzbar, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas.

Werner appellierte erneut an die Erwachsenen, sich impfen zu lassen. „Die Impfung schützt Sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vor einem schweren Krankheitsverlauf.“ In Thüringen sind bisher rund 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, im Bundesdurchschnitt sind es gut 66 Prozent.

Für Corona-Auffrischungsimpfungen, die in Thüringer Impfstellen verabreicht werden, gelten ab November keine Altersbegrenzung mehr. Bisher lag diese in Thüringen bei 60 Jahren. Zudem verkürzt Thüringen die Fristen zwischen dem Abschluss der bisherigen Impfserie und der Auffrischung. Diese kann bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna oder Astrazeneca jetzt nach fünf Monaten statt bisher sechs gegeben werden. Bei einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson beträgt die Frist nur vier Wochen.

Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser lagen nach Daten des Divi-Registers (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) am Freitag 69 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung. Ein Drittel der Patienten wurde beatmet. Von Donnerstag zu Freitag wurden 16 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet. dpa

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