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Werner: Verlegung von Covid-Kranken in Nachbarländer denkbar

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Heike Werner
Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke). © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Bereits in früheren Corona-Wellen war Thüringen bei der intensivmedizinischen Versorgung von schwer Erkrankten auf Hilfe anderer Bundesländer angewiesen. Wiederholt sich das in diesem Jahr?

Erfurt - Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) schließt angesichts der sich wieder verschärfenden Pandemie nicht aus, dass auch in diesem Winter schwer erkrankte Covid-19-Patienten in anderen Bundesländern intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Grund sei die kritische Personalsituation auf den Intensivstationen Thüringer Krankenhäuser, sagte Werner der Deutschen Presse-Agentur. „Von verschiedenen Kliniken bekomme ich entsprechende Signale.“

Wegen der hohen körperlichen und psychischen Belastung in der Corona-Pandemie hätten Pflegekräfte den Intensivstationen den Rücken gekehrt, sagte Werner weiter. Schätzungen gingen von einem Personalverlust von 10 bis 20 Prozent auf den Stationen aus.

Der Intensivmediziner Michael Bauer vom Universitätsklinikum Jena hatte kürzlich gewarnt, Personalengpässe in einer neuen schweren Corona-Welle seien auch kritisch für Menschen mit anderen Diagnosen auf Intensivstationen. Die aktuelle Situation halte sie noch für beherrschbar, sagte Werner. Damit das so bleibe, müssten die Schwerpunktkliniken für die Behandlung von Covid-19-Patienten aber entlastet werden, das entsprechende Konzept gebe es im Freistaat.

Thüringen hat neun größere Krankenhäuser mit spezialisiertem Personal und entsprechender Medizintechnik-Ausrüstung als sogenannte Level-1-Häuser benannt. Weniger schwer erkrankte Covid-19-Patienten können auch in anderen Häusern behandelt werden. Sie sollen den Schwerpunktkliniken auch so weit wie möglich Menschen mit anderen Erkrankungen abnehmen. Kürzlich hatte etwa das Katholische Krankenhaus in Erfurt wieder eine Corona-Station eröffnet, für die zwei andere Stationen geschlossen wurden.

Um den Jahreswechsel 2020/21 hatte sich die Situation auf den Thüringer Intensivstationen zeitweise so zugespitzt, dass einzelne Corona-Patienten in andere Bundesländer verlegt werden mussten. Zeitweise wurden in Thüringen deutlich mehr als 200 Covid-19-Kranke intensivmedizinisch behandelt, am Freitag waren es 69, am Sonntag bereits 75.

Laut Ministerium waren 2020 zeitweise bis zu 1100 Intensivbetten in Thüringen verfügbar. Noch im vergangenen Mai sei diese Zahl im Register der deutschen Notfallmedizin kurzzeitig wieder gemeldet worden. Aktuell pendele sie um 700 - bei einer Belegung von 87 Prozent. dpa

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