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Corona-Sommer-Plan: „Ein bisschen Entspannung zulassen“ - Streeck gegen Masken und vierte Impfung für alle

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Von: Jennifer Battaglia, Christina Denk

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Prof. Dr. Hendrik Streeck hat sich abermals für einen pragmatischeren Umgang in der Corona-Pandemie ausgesprochen. Masken im Sommer hält er größtenteils für unnötig.

Köln - Keine Masken und keine vierte Impfung für alle? Einmal mehr wirbt Prof. Dr. Hendrik Streeck für einen pragmatischeren Umgang in der Corona-Pandemie. Trotz der derzeit hohen Fallzahlen - Stand Donnerstag, 24. März, wurden dem Robert-Koch-Institut über 318.000 neue Infektionen gemeldet - blickt der Bonner Virologe entspannt in Richtung Sommer.

Coronavirus: Dynamik im Infektionsgeschehen lässt nach - Fallzahlen könnten bald sinken

Erstmals wurden deutschlandweit am 24. März über 300.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Viele Bundesländer haben die aktuellen Corona-Regelungen bis zum 2. April verlängert. Doch danach sollen sie fallen. Virologe Hendrik Streeck sieht trotz der hohen Inzidenzen bereits eine Entspannung.

An den absoluten Zahlen können man das noch nicht ablesen, aber laut Streeck lässt die Dynamik im Infektionsgeschehen nach. Der Virologe zieht dazu den R-Wert heran. Es sei zu erwarten, dass die Fallzahlen nach dem 2. April wieder sinken werden und die neuen Hotspot-Regelungen nur kurz zum Einsatz kommen.

Hendrik Streeck, Virologe an der Uniklinik Bonn
Hendrik Streeck plädiert für einen „Sommerreifen- und Winterreifen-Modus“ © Screenshot ntv

Streeck betonte im Interview mit ntv nochmals den starken Zusammenhang zwischen der Saisonalität und den hohen Coronafallzahlen. „Im Herbst und Winter gehen die Zahlen hoch, im Frühjahr gehen sie langsam zurück.“ Auch das aktuelle Phänomen der Doppelspitze, also zwei Infektionswellen hintereinander, sei für heimische Coronaviren völlig normal.

Coronavirus: Fallen im Sommer die Masken? - „Wir können nicht jede Infektion verhindern“

„Ich denke schon, dass wir über den Sommer auch damit arbeiten müssen, die Masken in fast allen Bereichen wegzulassen“, so Hendrick Streeck bei ntv. Der Virologe rechnet im Herbst und Winter 2022 mit erneut steigenden Zahlen. Daher müsse man im Sommer „auch ein bisschen Entspannung“ zulassen.

Ich denke schon, dass wir über den Sommer auch damit arbeiten müssen, die Masken in fast allen Bereichen wegzulassen.

Prof. Dr. Hendrik Streeck (Virologe)

Ein „pragmatischerer Umgang“ mit der Pandemie sei nun angesagt. „Wir können nicht jede Infektion verhindern - so gerne wir das wollen", sagt Streeck, der das Institut für Virologie an der Universität Bonn führt. Geimpfte Personen hätten ohnehin ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf. In den Sommermonaten kommt durch die sinkenden Fallzahlen eine weitere Entspannung hinzu, "sodass man in den allermeisten Fällen die Maske wegfallen lassen sollte", so der Bonner Virologe. Der Virologe ist damit im Einklang mit den aktuell beschlossenen Regelungen. Nach dem 2. April könnte die Maskenpflicht bundesweit in Schulen und Geschäften gelockert werden.

Coronavirus: Brauchen alle noch eine vierte Impfung? - Streeck über die Empfehlungen für den Sommer

Aktuell empfiehlt die Stiko die vierte Coronaimpfung für Hochrisikopatienten und Beschäftigte im Gesundheitsbereich „mit direktem Patientenkontakt, die arbeitsbedingt besonders exponiert sind.“ Eine Ausweitung dieser Regel hält Hendrick Streeck nicht für nötig. "Die Immunantworten sind irgendwann ausgereizt" und es setzt eine Gewöhnung des Immunsystems ein, erklärt der Virologe. Menschen über 60 Jahre, die zur Risikogruppe zählen, können eine schlechtere Immunantwort haben.

Die Immunantworten sind irgendwann ausgereizt.

Prof. Dr. Hendrick Streeck (Bonner Virologe)

Die Impfung sollte vor allem Menschen angeboten werden, die entweder gar nicht geimpft oder über 60 Jahre alt sind, so Streeck. Für den Sommer könnte also ein ähnliches Verhalten wie bei der Grippe folgen: Es wird „jedem angeboten, aber besonders denen, die über 60 Jahre sind und damit ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben“, erklärt der Virologe im Interview.

Coronavirus: Virologe Streeck plädiert für mehr Eigenverantwortung in der Pandemie

Schon in der Vergangenheit hat sich der Virologe immer wieder für einen pragmatischeren Umgang in der Corona-Pandemie starkgemacht. Er plädiert für mehr Eigenverantwortung der Bürger und spricht sich dafür aus, dass Menschen mit Antikörpern Geimpften gleichgestellt werden.

Streeck selbst ist nach eigenen Angaben dreifach geimpft. Er verglich die Impfung mit einer „kugelsicheren Weste“ gegen das Virus. Der Virologe ist jedoch kein Verfechter einer Impfpflicht - weder der allgemeinen noch der partiellen Impfpflicht im Gesundheitswesen. „Mit unserer Impfung wird es keine Ausrottung des Virus, geschweige denn eine sterile Immunität geben“, sagte Streeck im Februar im Interview gegenüber Merkur.de. „Das Virus mutiert weiter und wir können weder die Schutzwirkung noch Schutzdauer der Impfungen vorhersagen.“ (jb/chd)

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