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Teils schon vierte Dosis empfohlen: Muss jetzt jedes Jahr geboostert werden?

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Von: Martina Lippl

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Mann sieht sich viele Spritzen an Man looks at many syringes
Immer wieder gegen Corona impfen? Diese Frage stellen sich einige. © Gary Waters/imago

Von der Coronavirus-Pandemie haben viele Menschen einfach genug, auch von den Impfungen. Müssen wir jetzt immer wieder geboostert werden?

München – Eine zweite Auffrischungsimpfung – eine vierte Impfdosis gegen das Coronavirus* ist aktuell für alle Menschen über 70 Jahre angesagt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) forderte mehr vierte Corona-Impfungen. Das Booster-Update soll auch bald für 60-Jährige mit Risiko offiziell von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen werden, so Lauterbach.

Vierte Covid-19-Impfung: Wer soll eine zweite Auffrischungsimpfung laut Stiko bekommen?

Wer eine vierte Corona-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von Moderna* und Biontech/Pfizer* bekommen soll? Die aktuelle Empfehlung der Stiko (Stand: 15. Februar 2022) sieht einen Booster nach dem Booster „für besonders gesundheitlich gefährdete bzw. exponierte Personengruppen“ vor. Menschen über 70 Jahren sollten frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung eine weitere Impfdosis erhalten, so auch Bewohnerinnen und Bewohner sowie Betreute in Pflegeeinrichtungen. Aber auch Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren sowie Tätige in medizinischen Einrichtungen gehören laut Stiko dazu. Hier gibt es eine Übersicht: Wer soll sich laut Stiko eine zweite Auffrischungsimpfung verabreichen lassen - und wann.

Vierte Corona-Impfung: Doppel-Booster bald für alle ab 60 Jahren?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach betonte vor Kurzem, dass alle Menschen, die älter als 60 Jahre seien und Risikofaktoren hätten, sich ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen sollten. Noch gilt die Stiko-Empfehlung zur zweiten Booster-Impfung aber nicht für alle.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jetzt eine vierte Impfdosis mit dem Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer und Moderna für Menschen ab 50 Jahren genehmigt (29. März 2022). Die FDA empfiehlt hier einen Abstand von mindestens vier Monaten zwischen der zweiten Auffrischungsimpfung und der ersten. Eine zusätzliche Auffrischungsimpfung würde den Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung erhöhen, heißt es in der Begründung. Es gebe keine zusätzlichen Sicherheitsbedenken. Für Menschen mit einem besonders stark geschwächten Immunsystem genehmigte die FDA eine zusätzliche Auffrischungsimpfung – es handelt sich hier um eine fünfte Impfdosis.

Corona-Pandemie: Jedes Jahr gegen Corona impfen?

Das Ende der Corona-Pandemie wünschen sich viele sehnlichst herbei. Doch, es wird noch einige Zeit dauern, bis das Virus endemisch wird. Schon im Mai 2020 ging die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass das Coronavirus zu einem endemischen Virus werden könnte. Ein wichtiger Punkt, auch beim Thema Impfen, wie Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs im ntv-Interview erklärt.

„Wir müssen nicht davon ausgehen, dass wir in den kommenden Jahren immer wieder nachimpfen müssen - auch bei den älteren nicht. Wenn wir davon ausgehen, dass dieses Coronavirus irgendwann endemisch werden wird“, fasst Epidemiologe Ulrichs zusammen. Und weiter: „Dann sorgt das Durchlaufen von diesen Infektionen dafür, dass das Immunsystem in der gesamten Bevölkerung immer wieder aufgefrischt wird. Es sei denn, es kommt eine ganz andere Variante, um die Ecke. Aber, davon ist nicht auszugehen, wenn diese Pandemie auch weltweit langsam abebbt.“

Ende der Corona-Pandemie?

Dieser Übergang von der Pandemie in die Endemie „das geht nicht von heute auf morgen, das sind mehrere Stufen“, erklärt Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ (Dienstag, 29. März 2022). „Wir sind schon ein ganzes Stück drin in dem Prozess. Die Infektionssterblichkeit in Deutschland ist mit Impfung und unter Omikron auf etwa 0,1 Prozent gesunken, das ist relevant.“ Es sei der Bereich, wie in einer schweren Grippe-Saison. Aber, bei einer Influenza würde die Gesamtzahl nicht so hoch, weil es nicht so viele Übertragungen gebe.

Bei Influenza habe jeder x-mal in seinem Leben eine Infektion durchgemacht, sodass eine Immunität auf der Schleimhaut bestehe und zumindest Erwachsene nicht so infektiös seien. „Dadurch läuft eine Grippesaison von selbst aus.“

 Man braucht aber eine ganze Reihe von Infektionen, um eine Schleimhautimmunität und damit einen Übertragungsschutz aufzubauen.

Virologe Christian Drosten

„Bei Sars-CoV-2 haben wir immer noch eine Minderheit in der Bevölkerung, die einen Schleimhautvirus-Kontakt hinter sich hat, man braucht aber eine ganze Reihe von Infektionen, um eine Schleimhautimmunität und damit einen Übertragungsschutz aufzubauen. Die Infektionen, die jetzt über den Sommer stattfinden, werden dazu wahrscheinlich nicht ausreichen“, betont Drosten. Er rechne in den kommenden Jahren noch mit Corona-Maßnahmen, so der Virologe in einem Zeit-Interview. Auffrischungsimpfungen im Herbst für Risikogruppen könnten seiner Ansicht nach das Infektionsgeschehen im Rahmen halten.

Booster-Impfungen zeigen im Augenblick einen guten Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf bei einer Coronavirus-Infektion auch mit Omikron. „Die Immunitätsdauer wird uns weiter beschäftigen“, sagte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast.

Ob ein Omikron angepasster Corona-Impfstoff im Herbst dann zur Verfügung steht und ausreicht, wird sich zeigen. Und, ob dann tatsächlich keine andere Variante um die Ecke kommt, wie Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs hofft.

Und wichtig: Eine Impfung schützt aktuell besser als eine Infektion. Ungeimpfte, die sich jetzt infizieren, entwickeln, eine gewisse Immunität. Diese ist aber nicht so stark wie die dreifache Impfung. Um einen vergleichbaren Schutz zu erreichen, müssten sie sich mehrere Male infizieren, berichte der NDR. (ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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