"Abbitte" und "Sweeney Todd" Sieger bei glanzlosen Golden Globes

Beverly Hills - Der britische Liebesfilm "Abbitte" und das blutige Musical "Sweeney Todd" sind die großen Gewinner der 65. Golden Globes. Wegen des Streiks der Drehbuchautoren kamen keine Stars zu der Preisverleihung.

Keine Stars, kein roter Teppich, keine Dankesreden: Bei der glanzlosen Vergabe der 65. Golden Globes wurde am Sonntagabend (Ortszeit) in Beverly Hills die britische Bestsellerverfilmung "Abbitte" zum besten Filmdrama gekürt. Tim Burtons blutrünstiger Musikfilm "Sweeney Todd" bekam bei einer nur halbstündigen Pressekonferenz die begehrte Auszeichnung als bestes Musical zugesprochen. Hauptdarsteller Johnny Depp, der für die Rolle als dämonischer, mordender Barbier erstmals sein Talent als Sänger unter Beweis stellte, wurde zum besten Schauspieler ernannt. Ein klarer Favorit für die Oscar-Verleihung am 24. Februar zeichnete sich Filmkritikern zufolge bei der als "bizarr" und "seltsam" gescholtenen Veranstaltung nicht ab.

Die traditionelle Golden-Globe-Gala, sonst die "fröhlichste Party Hollywoods", war abgesagt worden, da die Schauspieler gedroht hatten, die Veranstaltung aus Solidarität mit den streikenden Drehbuchautoren zu boykottieren. Stattdessen ratterten dann bei der Pressekonferenz einige wenig bekannte Moderatoren vor leeren Tischen die Namen der Preisträger herunter - klatschen konnten allenfalls die rund 600 Journalisten, die den Schnelldurchlauf trotz allem verfolgten. Stars waren weit und breit nicht in Sicht. "Jeder war in einer sehr schwierigen Lage, sehr schwierig", sagte Jorge Camara, der Präsident der Hollywood-Auslandspresse (HFPA), die den nach den Oscars wichtigsten US-Filmpreis vergibt. "Die Party haben wir dann nächstes Jahr wieder."

Einige der ganz großen Stars wie Angelina Jolie, George Clooney, Tom Hanks und Julia Roberts gingen denn auch bei der Preisvergabe leer aus. Als beste Schauspieler in einem Drama wurden Julie Christie und Daniel Day-Lewis geehrt. 40 Jahre nach ihrem Oscar für "Darling" bekam Christie die Auszeichnung für ihre Rolle als Alzheimer-Patientin in dem einfühlsamen Ehedrama "An ihrer Seite". Day-Lewis konnte als rücksichtloser Ölbaron in Paul Thomas Andersons historischem Drama "There Will Be Blood" punkten.

Die französische Schauspielerin Marion Cotillard überzeugte die Jury mit ihrer Darstellung von Edith Piaf in dem Musikfilm "La Vie En Rose". In Nebenrollen wurde Cate Blanchett für ihre Verkörperung von Bob Dylan in dem Kultfilm "I'm Not There" geehrt, der spanische Schauspieler Javier Bardem als gnadenloser Menschenjäger in dem Neo-Western "No Country for Old Men".

Die von der Kritik hochgelobte neue Arbeit der Coen-Brüder ("Fargo") war zusammen mit "Abbitte" als Favorit für die Kategorie Bester Film gehandelt worden, erhielt aber neben dem Globe für Bardem nur eine Auszeichnung fürs Drehbuch. "Es ist eine sehr große Ehre, zu einer Zeit mit dem Preis ausgezeichnet zu werden, in der es so viele herausragende Darstellungen gibt", erklärte Bardem laut "People"-Magazin in einem Statement.

Der ebenfalls begehrte Regiepreis ging an den New Yorker Maler und Filmemacher Julian Schnabel für "Schmetterling und Taucherglocke" -die wahre Geschichte eines Mannes, der sich nach einem Schlaganfall nur noch mit Augenblinzeln verständlich machen kann. Der in Frankreich und den USA produzierte Film wurde auch zum besten ausländischen Film gekürt. Ein deutscher Film war nicht nominiert. Die Auszeichnung von US-Starregisseur Steven Spielberg mit einem Ehren-Globe für sein Lebenswerk war auf nächstes Jahr verschoben worden.

In der Sparte Fernsehen konnten die US-Schauspieler Glenn Close, David Duchovny und Queen Latifah punkten. Der große Gewinner war jedoch der Fernsehfilm "Longford". Die wahre Geschichte über den exzentrischen britischen Politiker Lord Frank Pakenham, der sich mit der legendären Kindsmörderin Myra Hindley befreundet, gewann insgesamt drei der begehrten Trophäen. Neben dem Top-Preis in der Kategorie "Beste Mini-Serie oder Fernsehfilm" wurden auch beide Hauptdarsteller, Jim Broadbent und Samantha Morton, für ihre schauspielerische Leistung geehrt.

dpa

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