Abgründige Polizistin

- Über der Golden Gate Bridge hebt sich der Nebel. Langsam streift die Kamera über San Francisco, ein Saxophon spielt etwas altmodischen Jazz. Irgendwann kommen ihre Augen ins Bild. Und man weiß sofort, dass es Ashley Judds Augen sind. Beim dritten oder vierten Mal spiegeln sich in ihnen schwarze Vögel. Ashley Judd ist Jessica Shepherd, eine Polizistin, die nach dem Wechsel zur Mordkommission mit ihrem neuen Partner (unterfordert: Andy Garcia) gleich durch den ersten Fall, einen Serienmord, mit ihren inneren Abgründen konfrontiert wird.

<P>Schnell ist klar: Sie kannte die Opfer. Die selbstbewusste, allein lebende junge Frau, die sich oft aus einer Szenebar einen Kerl ins Bett holte, hatte mit jedem von ihnen ein Verhältnis. Schon zuvor hatte man Jessica kennen gelernt: schnell, kühl, eine Spur zu aggressiv und etwas zu trinkfreudig. Zudem erfährt man, dass sie ihre Eltern früh verloren hat. Der Vater tötete die Mutter und sich selbst.<BR><BR>So weit hergeholt die Konstellation des Films von Philip Kaufman auch sein mag, die Geschichte vom Mädchen in der Männerwelt eröffnet viele Chancen. Mit Ashley Judd hat "Twisted" zudem eine Hauptdarstellerin, die zu den besten des US-Films gehört. Mal hat diese Frau Albträume. Mal betrachtet sie alte Fotos, weint: "Ich vermisse dich, Mami." Mal erkennt man, dass sie sich und ihren Therapeuten belügt. Was bei einem Mann "gesunder Ehrgeiz" wäre, wird bei dieser Figur ins Angespannte und Hysterische übersteigert.<BR><BR>Der Hintergrund ist klar: Die zu freizügig lebende Frau soll Demut lernen, weniger trinken und sich einen festen Partner suchen. Dass es am Schluss der größte Moralapostel ist, der als Täter entlarvt wird, lässt diese Angst vor unabhängigen Frauen zwar als pathologisch erscheinen, wendet die altbackene Botschaft aber nicht mehr in ihr Gegenteil. Das Ergebnis der guten Film-Ansätze kann also nicht ganz befriedigen. </P><P>(In München: Mathäser, Autokino, Marmorhaus, Museum i.O.)<BR><BR>"Twisted"<BR>mit Ashley Judd, Andy Garcia, Samuel L. Jackson<BR>Regie: Philip Kaufman<BR>Annehmbar </P>

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