Filmkritik und Kinotrailer

"About Last Night": Posse um Pärchenverhalten

München - Die amerikanische Komödie „About Last Night“ nimmt typische Verhaltensmuster von Pärchen auf die Schippe. Der Kinotrailer und unsere Filmkritik:

Die Doofen und die Romantischen: Diese Pärchenkonstellation kennen wir aus den Lustspielen der Nachkriegszeit und aus der „Zauberflöte“. Der Held kriegt die Heldin, der Lustige die Lustige. Auch die US-amerikanische Komödie „About Last Night“ greift dieses Muster auf. Gleich zu Beginn treffen sich Großmaul Bernie (US-Komiker Kevin Hart) und Schönling Danny (Michael Ealy) zu einem Doppeldate mit der fast schon peinlich geschwätzigen Jean (Regina Hall) und ihrer ebenso intelligenten wie anmutigen Freundin Debbie (Joy Bryant). Dem Zuschauer ist sofort klar: Während sich bei Bernie und Jean allenfalls sexuelle Bedürfnisse ihren Weg bahnen, steuern die beiden anderen auf die ganz große Liebe zu. Und das ohne jene Missverständnisse und Querelen, die das Traumpaar der 50er-Jahre erst in Minute 90 wirklich zusammenkommen ließen. „About Last Night“ erzählt natürlich eine andere Geschichte.

In ihren witzigsten Momenten attackiert Steve Pinks Posse das Pärchenverhalten und die Beziehungserwartungen der Gegenwart an ihren offensichtlichen Schwachpunkten: Da mündet die Sehnsucht nach allgegenwärtiger Harmonie, nach einer gesellschaftlich festgelegten Biografie, nach Perfektion in Starre, Langeweile und Enttäuschung. Demgegenüber zeichnet Pink die wilde Liaison zwischen den Ulknudeln Bernie und Jean als Duell zweier Verrückter, deren aufklärerisches Moment in ihrer unverblümten Ehrlichkeit liegt. Leider hält der Film seine Spannung und satirischen Anspielungen nicht durch. Fast wirkt es, als ob das Studio auf ein versöhnliches Ende gedrängt habe. Vielleicht aber haben auch die Künstler Angst, die Glücksversprechen, die uns so oft enttäuschen, ad acta zu legen. Insofern unterscheiden sie sich gar nicht so sehr von den Kinomachern der Fünfziger.

Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © snacktv

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