Abraham aus Russland

- Gut, dass dieser Film ins Kino kommt. Das gelang Andrej Zwjagintsews "Die Rückkehr" nur, weil er beim Festival in Venedig den Goldenen Löwen gewann _ zur Verwunderung von Publikum und Experten. Nun kann sich jeder selbst sein Urteil bilden, ob diese Entscheidung gerechtfertigt war. Oder ob sie vor allem dadurch Beifall verdient, dass sie unser Augenmerk wieder auf das seit Andrej Tarkowskis Tod lange und nicht zu Unrecht vergessene, russische Kino lenkt.Tarkowski ist der Pate dieses Films. Zwjagintsew knüpft direkt an dessen "cinematographischen Mystizismus" an. Dazu gehört die überdeutliche Verwendung biblischer Motive. Schon zu Beginn: Zwei Jungen leben mit ihrer Mutter in einer Provinzstadt. Aus uns unbekannten Gründen ist der Vater fort, doch eines Tages kehrt er nach zwölfjähriger Abwesenheit zurück. Als er den Söhnen erstmals begegnet, lesen diese in der Bibel, und zwar die Geschichte von Abraham und der Opferung Isaaks. Ein Vorgriff auf die Zukunft? Überschattet von Vorahnungen ist die rätselhafte Fahrt, zu der der Vater die Söhne mit aufs Land nimmt.

<P>Der Film lässt sich viel Zeit, um diese Stunden und Tage zu beobachten: Man sieht die Landschaft, mal neblig, dann mit pittoresken Sonnenuntergängen, man beobachtet die drei beim Fischen, Tiefsinn verzweifelnd suchend. Der Papa entpuppt sich als herrischer Rabenvater: Schweigsam, hart, mitunter gewalttätig nimmt er die Söhne "ran". Das mag, so deutet es sich jedenfalls an, von ihm als Erziehungsmaßnahme gedacht sein: Wie wird man ein Mann?</P><P>Und das wäre vielleicht eine spannende Angelegenheit, schon allein wegen der gekonnt inszenierten Bilder, käme sie nur nicht so bleiern bedeutungsschwer und überernst daher. Mit keinem Wort erklärt der Vater sich oder sein Tun, am Ende droht der Sohnesmord, da stürzt der Vater zu Tode. Ein soziales Gleichnis, vielleicht sogar auch in der Sehnsucht nach den verlorenen Vätern und der Enttäuschung, wenn sie dann plötzlich da sind.</P><P>Aber es ist eben auch ein Film, der in Stil und Geschichte überaus altmodisch wirkt, geradezu wie ein Klischeebild des "Russischen", gemacht für die Augen des gebildeten und vom "Fremden" allzu bereitwillig ergriffenen europäischen Publikums. (In München: Eldorado, ABC, Atlantis i.O.)</P><P>"Die Rückkehr"<BR>mit Wladimir Garin,<BR>Iwan Dobronrawow<BR>Regie: Andrej Zwjangintsew<BR>Erträglich </P>

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