News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona verhaftet haben

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Absolut modern

- "Respiro" heißt dieser zweite Film von Emanuele Crialese im italienischen Original. "Ich atme." Und dieses Bewusstwerden des Atmens ist das erste der vielen Wunder, denen die unkonventionelle Hausfrau Grazia (Valeria Golino) täglich begegnet und die sie mit einer ansteckenden Begeisterung wahrnimmt.

Die vor Lebenslust stets nur so überströmende Grazia lebt mit Mann und Kindern auf Lampedusa, einer winzigen Insel vor Sizilien. Hier verläuft das Leben noch in den gleichen Bahnen wie vor hundert Jahren: Die Männer fahren zum Fischen raus aufs Meer, die Frauen arbeiten in der Fischkonservenfabrik, sitzen ansonsten zusammen und fingern an ihren Handarbeiten. Die Kinder spielen in alten Ruinen, fahren mit Rädern und Mofas zum Baden oder denken sich die waghalsigsten Mutproben aus. Nur die schöne Grazia ist anders: Sie geht nackt baden, verbringt ganze Tage im Bett, behandelt ihre Söhne wie Erwachsene oder denkt sich mit den Jungs des Dorfes neue Streiche aus. Keine Mutter wie alle anderen, keine Ehefrau wie die übrigen.

Grazia, die Frau voll überbordender Energie, eckt im Dorf überall an. Die Inselbewohner finden sie deplatziert oder einfach nur verrückt. Aber was nicht passt, wird passend gemacht, und so erklärt sich Ehemann Pietro (Vincenzo Amato) nach langem Sträuben bereit, Grazia in einer psychiatrischen Anstalt auf dem Festland zurechtstutzen zu lassen. Doch die ungestüme Außenseiterin reißt aus . . .

Emanuele Crialese hat eine Legende seiner Kindheit verarbeitet in diesem sinnlichen Porträt einer in höchstem Maße modernen und unkonventionellen Frau. In Bildern, die wirken wie von der Sonne ausgeblichen, und in langen, ruhigen Einstellungen erzählt er seine märchenhafte Geschichte von einer, die anders ist und daher den anderen Angst macht. Sein Film beeindruckt besonders durch seine Authentizität, die schon fast an die italienischen Neorealisten erinnert: Die Kamera ist ganz nah an den Figuren dran, man sieht die Schweißtropfen der Männer beim Arbeiten und den Dreck unter den Fingernägeln der Frauen in der Fabrik. Crialese hat angeblich die meisten seiner Darsteller - abgesehen von den Hauptrollen - vor Ort auf Lampedusa rekrutiert.

Die Insel muss ein Refugium der Talente sein. Aber vielleicht kein Wunder, denn eine solche Landschaft birgt besonders vitale Charaktere und kreative Menschen.

(In München: Eldorado, Isabella, Theatiner i. O.)

"Lampedusa"

mit Valeria Colino,

Vincenzo Amato

Regie: Emanuele Crialese

Hervorragend

 

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