Ärger mit dem Glück des Lebens

- Hayao Miyazaki wird oft als japanischer Walt Disney bezeichnet, aber das wird dem Werk des begnadeten Animationskünstlers nur bedingt gerecht. Der Mann schafft Träume aus bewegten Zeichnungen, die alles sind, aber keine Kinderfilme. Nach den Erfolgen von "Prinzessin Mononoke" oder zuletzt "Das wandelnde Schloss" kommt nun der längst legendäre Miyazaki-Klassiker "Das Schloss im Himmel" erstmals in die deutschen Kinos.

Der zwanzig Jahre alte Meilenstein des Animationsfilms ist eine für Miyazaki typische Kombination aus Märchen, Melodram, Gesellschaftssatire und politischem Thriller. Das alles ist wie immer subtil und unter unzähligen Schichten symbolischer Codes verborgen.

Dem Waisenjungen Pazu fällt eines Tages buchstäblich aus heiterem Himmel das Mädchen Sheeta vor die Füße. Sie hat einen mächtigen Edelstein in ihrem Besitz und genau deswegen großen Ärger. Reguläre Soldaten und höchst illegale Piraten verfolgen sie, denn der Stein sichert die Macht über das fliegende Eiland "Laputa" mit einem sagenumwobenen Schloss - eine Anspielung auf "Gullivers Reisen" von Swift. Weil Pazu felsenfest davon überzeugt ist, dass sich sein Vater auf der Insel befindet, hilft er dem Mädchen und begibt sich gemeinsam mit ihm auf eine abenteuerliche Odyssee zum vermeintlichen Paradies.

Keine einfachen Antworten

Der Reiz dieser Geschichte liegt an der Kombination erwachsener Themen und kindlicher, also unvoreingenommener Erzählweise. Es gibt keine einfachen Antworten, Schmerz ist Teil des Lebens, und das Glück kann nur so lange währen, wie wir es zulassen. Davon erzählt "Das Schloss im Himmel" mit visueller Brillanz und kluger Dramaturgie. Ein geradezu rauschhaftes Erlebnis und einer der schönsten Filme des Jahres - auch wenn er schon 1986 entstanden ist. (Ab morgen in München: Mathäser, Monopol).

Zoran Gojic

"Das Schloss im Himmel"

Regie: Hayao Miyazaki

Hervorragend

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