"Alle haben für dieses Projekt gebrannt"

- Seit Freitagabend ist es amtlich: Marcus H. Rosenmüller ist nicht nur der Regisseur des erfolgreichsten bayerischen Kinofilms aller Zeiten. Sondern auch offiziell hochgelobtes Filmemacher-Talent. Sein "Wer früher stirbt, ist länger tot" wurde bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise mit dem wichtigsten, mit dem mit 200 000 Euro am höchsten dotierten Produzentenpreis geehrt.

Rosenmüller selbst wurde auch mit dem Nachwuchsregiepreis ausgezeichnet.

Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Rosenmüller: Das war schon vor Wochen. Ich habe einen ganz offiziellen Brief bekommen. Und bin seitdem natürlich unglaublich glücklich. Das ist eine totale Freude, weil ein solcher Preis ein enormes Lob bedeutet. Nicht nur für mich, sondern für alle Leute, die gemeinsam diesen Film gemacht haben. Auch wenn das jetzt nach kalkuliertem Understatement klingt, ich meine das absolut ernst. Wir haben damals während der Dreharbeiten alle wirklich gebrannt für dieses Projekt. Alle haben sich wahnsinnig hineingehängt, die Schauspieler haben für ein absolutes Minimum an Gage gespielt, beim restlichen Team war‘s genauso. Da ist eine solche Auszeichnung dann einfach nur großartig.

Bayerisches Lokalkolorit kommt offensichtlich zurzeit gut an. Steht uns jetzt eine Welle von Lederhosen-Klischee-Filmen ins Haus?

Rosenmüller: Naja, also mit Lederhosen hat "Wer früher stirbt, ist länger tot" aber wirklich nichts zu tun...!

Nein, schon gut. Aber es ist doch zu befürchten, dass man Ihnen nach "Wer früher stirbt", "Schwere Jungs" und der soeben abgedrehten BR-Produktion "Beste Zeit" nur noch Drehbücher mit bayerisch-anheimelndem Plot schickt.

Rosenmüller: Keine Sorge, das wird schon nicht passieren. Ich schaue mir jedes einzelne Drehbuch genau an, und nur was mich interessiert, das kommt überhaupt in eine engere Auswahl. Ich möchte mir gerne auch weiterhin den Luxus leisten, nur das zu machen, was ich will. Da setze ich mich dann mit dem Drehbuchautor Christian Lerch zusammen, und wir überlegen, was uns gefällt. Auf welches Thema wir Lust haben. Das ist absolut losgelöst von irgendeinem Trend. Natürlich kann das vielleicht auch mal schiefgehen, aber dann dreht man eben den nächsten Film.

Die Roxy Film in München hat mit der Finanzierung von "Wer früher stirbt" eine Menge riskiert: Newcomer von der HFF will einen Film auf Bairisch drehen...

Rosenmüller: Ja, das fanden nicht alle Produzenten interessant. Deshalb bin ich den Roxys auch unglaublich dankbar für ihren Mut. Die haben damals gleich gespürt, wie viel Herz und Energie da mit drinstecken, in diesem Projekt. Dass sie dafür den Produzentenpreis erhalten haben, freut mich daher wahnsinnig.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

Der Film läuft in München noch im ABC, Rex, Arri, City, Mathäser, Maxx, Arena, Rio und Kino Solln.

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