Allzu moderne Zeiten

- Auf das "Hurra, hurra" am Anfang wartet man vergebens. Im neuen Jahrtausend singen die Kinder "Trari, traro", wenn sie sich auf den Pumuckl freuen. Auch sonst hat sich viel geändert seit dem letzten Kinofilm "Pumuckl und der blaue Klabauter" von 1994.

<P>Einschneidendste Veränderung: Der Meister Eder ist gestorben. Einen neuen Schauspieler die Rolle von Gustl Bayrhammer übernehmen zu lassen, war undenkbar. Und so findet der Pumuckl die Werkstatt verlassen und verstaubt vor, als er von seiner Seereise zurückkehrt. Auch der Pumuckl ist nicht der Alte: Nach seiner Stimmbandoperation konnte Hans Clarin dem Kobold nicht mehr seine Stimme geben, jetzt bemüht sich Kai Taschner, das Kreischen und Quietschen möglichst original hinzubekommen.</P><P>Und da der Kobold jemanden braucht, den er ärgern kann, springt Hans Clarin als Vetter vom alten Eder ein. "Eder, Eder, so heißt doch nicht ein jeder", sinniert der Pumuckl und kommt mit zum Restaurator Ferdinand Eder. Dort macht er sich sichtbar, indem er sich an den berühmten Leimtopf klebt. Der neue Eder arbeitet am Flachbildschirm, der Nachbarsjunge hat Aliens im Zimmer stehen und Disneyposter an der Wand hängen. "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" will moderner und weltoffener sein als früher. Das bekommt ihm ebenso wenig wie die Tatsache, dass auf einmal alle an den Kobold glauben: Sunnyi Melles als verschrobene Zirkuszauberin, Nikolaus Paryla als unwilliger Zauberer und Christine Neubauer als resche Nachbarin - alle jagen den Pumuckl und wollen ihn für sich. Dabei war der Witz doch gerade, dass alle den Meister Eder für verrückt hielten . . .</P><P>Der neue Pumuckl ist lustig - vor allem wenn Sunnyi Melles "Würstchen" grillt und "Sapperlott" rufend Jagd auf den Pumuckl macht -, aber seinen alten Charme hat er verloren. Für die, die die ersten Folgen kennen, ist der Film vor allem eins: traurig. "Ich will meinen alten Eder wieder haben. Tu dich wieder derleben", bittet der kleine Kobold. Gustl Bayrhammer fehlt einfach. Ein Pumuckl ohne Meister Eder ist wie eine Schokolade ohne Silberpapierl. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Karlstor, Leopold, Rio, Rex, Isabella, Museum.)</P><P>"Pumuckl und sein<BR>Zirkusabenteuer"<BR>mit Hans Clarin, Sunnyi Melles,<BR>Nikolaus Paryla<BR>Regie: Peter Weissflog<BR>Erträglich </P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare