Alter spielt keine Rolle

- Hollywoods First Femme fatale - das ist Anjelica Huston nicht erst seit ihren Rollen als bleiches Oberhaupt der Adams-Family oder als böseste aller bösen Stiefmütter in der Aschenputtel-Variante "Auf immer und ewig". Die permanente Hexe oder Männer verschlingende Pflanze, die jeden in ihrer Umgebung mit ihren unheilvoll blitzenden Augen einschüchtern kann, wirkt in Natura weitaus liebenswürdiger und kumpelhafter als jene Figuren, der die oscarprämierte Tochter des berühmten irischen Regisseurs John Huston Leben einhauchte. Die Rolle der aristokratischen Eleanor Zissou in Wes Andersons neuem Geniestreich "Die Tiefseetaucher" ist nun ein weiteres dieser mysteriösen, nicht leicht zu durchschauenden Frauenzimmer.

<P>In Wes Andersons "The Royal Tenenbaums" waren Sie mit Gene Hackman verheiratet. In Andersons neuem Film sind Sie's mit Bill Murray. Was ist besser? </P><P>Huston: Glücklicherweise bin ich mit keinem von ihnen im wirklichen Leben verheiratet. Sie sind beide tolle Kollegen, aber nicht sehr einfach im Umgang. Sie sind intelligent, exzellente Schauspieler, die auch trotz ihres Erfolges immer ernst und kritisch mit sich selbst sind. Es ist einfach schön, mit so extrem guten Partnern arbeiten zu können. Aber nach den Dreharbeiten war ich froh, wieder meinen eigenen Mann (Robert Graham, einen Bildhauer) um mich zu haben. Der wirkt einfach beruhigender auf mich als meine Filmmänner. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass die Filmschauspielerei für Männer einfach schwierig ist.</P><P>Inwiefern gerade für Männer schwierig?</P><P>Huston: Ich habe da im Laufe der Jahre eine Theorie entwickelt: Frauen kommen mit diesem Eitelkeits-gesteuerten System insgesamt besser klar. Man arrangiert sich damit. Für Männer sind, wie ich beobachtet habe, diese Make-Up-Sitzungen, Kostümproben und Friseur-Termine, dieses ständige Angefasst-Werden ganz offensichtlich unangenehmer. Männer werden auch stärker über eine bestimmte Rolle definiert, die sie gespielt haben. Für jeden Zuschauer ist Arnold Schwarzenegger nur "der Terminator". Gut, inzwischen spielt er nicht mehr, aber vorher war er abonniert auf eine einzige Rolle. Ach ja, und Männer stehen unter einem wesentlich größeren Zwang, sich immer aufs Neue zu beweisen. Da sind Frauen viel entspannter.</P><P>Aber leiden Frauen nicht sehr unter dem Schönheits- und Jugendlichkeits-Diktat der Branche? Es heißt doch: Männer werden interessant, Frauen einfach nur alt.</P><P>Huston: Das ist ein Thema, das immer und immer wieder aufgegriffen wird, und seit zwanzig Jahren stellt man mir die Frage: Wie kommen Sie in Ihrem Alter eigentlich noch an gute Rollen? Ich denke, so schrecklich ist es nicht. Nicht mehr. Ich kenne eine Menge Kolleginnen jenseits der 40-Jahre-Grenze, die gut im Geschäft sind: Meryl Streep, Susan Sarandon, Sigourney Weaver, Vanessa Redgrave - eine Menge Frauen, die man auch sehen will, obwohl sie nicht bis zur Unkenntlichkeit verjüngt und geliftet sind. Deswegen finde ich, dieses Thema ist abgearbeitet. Das Alter spielt heute keine derart große Rolle mehr. Die Qualität zählt. Aus. Fertig. </P><P>Haben Sie im wirklichen Leben auch mal Männer wie Steve Zissou getroffen?</P><P>Huston: Ja, ich kenne ein paar Typen, an die mich der Charakter von Steve erinnert hat. Ich mag Männer, die so sind. Die wissen, was sie wollen, und das auch durchziehen. Solche Anpacker, die ihre Ziele immer erreichen. Das imponiert mir sehr. Ich finde das unglaublich attraktiv. Diese sympathischen Loser, für die hatte ich nie etwas übrig. Ich wollte immer einen Mann an meiner Seite, der wusste, wo's lang geht, und keinen, der zu Hause saß, auf mich wartete und fragte: Schatz, was möchtest du heute gerne tun? </P><P>Das Gespräch führte  Ulrike Frick</P>

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