Ameise und Spartacus

- Träumen Roboter von der Revolution? Das ist eine grundlegende Frage der jüngeren Science-Fiction wie auch des Films. Steigende Fähigkeiten der Maschinen führen zu anwachsender Furcht vor ihrer Macht. "I, Robot" spielt im Jahr 2035, basierend auf den berühmten Geschichten von Isaac Asimov. Doch sie waren nur Inspiration _ mehr nicht. Regisseur Alex Proyas findet für den Geist der Storys eine filmische Entsprechung.

<P>Der Ort ist ein futuristisches Chicago, wo der Lake Michigan sich in eine postapokalyptische Sandwüste verwandelt hat - diese Bilder gehören zu den schönsten des Films. Sie erinnern in ihrer Tristesse wohl mit Absicht an das Schlussbild aus "Planet der Affen". Roboter sind normal: Sie flitzen durch die Gegend, rollen mit den Augen, springen von Hochhäusern. Es sind technisch perfekt gemachte Visionen einer Zukunft, die man sich so gerade noch glaubhaft vorstellen kann. Zu den vielen guten Seiten des Films gehört, dass die Effekte immer beiläufig inszeniert sind. Nie stellt sich das Gefühl ein, hier wolle ein Regisseur mit seinen Mitteln posieren. Erschreckend und amüsant, eindrucksvoll auch dann, wenn sie in Massen auftreten, wenn sie wie Ameisen zu Hunderten ein Hochhaus empor krabbeln, wie die Terrakottaarmee der chinesischen Kaiser still bei Fuß stehen oder wie einst bei Riefenstahl im totalen Gleichschritt marschieren.</P><P>Ihnen gegenüber steht Will Smith als menschlicher, skeptischer Gegenpart. Ein melancholischer Detektiv, der den Tod eines Wissenschaftlers aufklären muss, und dabei einer Verschwörung auf die Spur kommt. Wie jeder gute Science-Fiction handelt "I, Robot" mindestens so sehr von der Gegenwart wie von der Zukunft. Wenn die Roboter hier plötzlich rebellieren, um die Macht zu übernehmen, wenn sie Ausgangssperren verhängen und mit bedrohlich sanfter Bestimmtheit die Menschen auffordern, "zu ihrem Schutz" zu Hause zu bleiben, dann ist dies die Vision einer totalitären Zukunftsgesellschaft, die sich mit existierenden Sicherheitsmanien von Ashcroft bis Schily ebenso auseinander setzt, wie mit dem zur "Homeland-Security" geronnenen Schutzbedürfnis moderner Gesellschaften, die sich, je sicherer sie sind, um so unsicherer fühlen. Die Sklaven, die hier den Aufstand proben, sind also die Menschen, und Will Smith ist ihr Spartacus.</P><P>Aber der Film wäre dumm, wenn er sich nicht auch in die Gegenrichtung verstehen ließe. Um zu siegen, braucht Spooner nämlich Sonny, den Roboter. Und der, sich seiner Einzigartigkeit bewusst, will das Gleiche, wie Spooner: Freiheit und Sinn. Die Ameise will Mensch werden. Hier, in der Frage, was es heißt, wenn Maschinen denken und empfinden, liegt das offene Geheimnis, das dieser Film kreiert, und das ihn über den Durchschnitt hinaushebt. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Leopold, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Cinema i. O., Museum i. O.)</P><P>"I, Robot"<BR>mit Will Smith, Bridget Moynahan<BR>Regie: Alex Proyas<BR>Hervorragend</P>

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