Die andere Berlinale

- Berlin - Jenseits des roten Teppichs, des Glanzes und Glamours der Filmgrößen, gibt es eine andere Berlinale. Dort, im "Talent Campus", steht eine junge Frau aus dem Libanon vor der Leinwand und blickt ihr Publikum an: ein wenig fragend, hoffend und doch überzeugt von ihrem Film, bei dem Volker Schlöndorff Pate stand. Vielleicht werden Kritiker noch mehr von dieser Myrna Maakaron hören, die mit ihrem Kurzfilm "BerlinBeirut" den "Berlin Today Award" gewonnen hat, den Preis der Nachwuchs-Filmer. Vielleicht bleibt es bei dieser Ehrung - das sind die Geheimnisse der Talente-Berlinale.

 Vor einem Jahr überzeugte Myrna Maakaron die Auswahl-Jury des "Berlin Today Awards" mit einer ausgefallenen Film-Idee. Die 29- jährige Schauspielerin und Jung-Regisseurin wollte ihre Heimatstadt Beirut mit Berlin vergleichen. Ein Gefühl gab den Ausschlag. "Ein warmes Gefühl", sagt sie, dass sich diese beiden grundverschiedenen Städte doch auch ähneln könnten: Weil sie beide zerstört, besetzt und geteilt waren, weil es in beiden Metropolen immer noch Ost und West gibt, aber auch Menschen, die keine Unterschiede machen. <P>Diese Idee lag ganz auf der Linie des neuen Filmpreises, der Eindrücke aus dem heutigen Berlin in die Welt hinaus tragen will. "Berlin soll in diesen Filmen nicht nur die Kulisse sein", betont Förderreferent Frank Stehling vom Medienboard Berlin-Brandenburg. "Es geht um die Auseinandersetzung mit dieser Stadt, um eine Einladung zum Dialog." Die beiden anderen Preis-Favoriten setzten sich mit Berlin und der Currywurst auseinander und mit einem Obdachlosen in der Philharmonie, gespielt von Axel Prahl ("Halbe Treppe").</P><P>Alle drei Award-Filme sind Liebeserklärungen an Berlin. Es ist der fremde Blick auf die Stadt, der besticht. Er lässt Neues entdecken oder Besonderes erst wahrnehmen. "Du fühlst Dich überall verloren, doch dann triffst Du Menschen", beschreibt Myrna Maakaron ihre Berlin-Gefühle. "Diese Stadt ist einfach magisch, sie ist so kontrastreich und voller Geschichten".</P><P>Die eigene, persönliche Geschichte erzählt Myrna in ihrem Film. Von Bombennächten im Keller in Beirut, von Angst und Gewalt. Und doch liegt über dem Film eine humorvolle Leichtigkeit, die Liebe zu den Drehorten ist spürbar. "Du hast die Schönheit der menschlichen Seele in zerstörten Städten eingefangen", sagt eine Zuschauerin zum Schluss. Da ist die Filmerin gerührt. Die Geschichte von "BerlinBeirut" soll damit nicht zu Ende sein: Andere Festivals und Goethe-Institute im Ausland wollen diesen Film unbedingt zeigen - als einen anderen Blick auf Deutschland.</P><P>www.berlinbeirut.de</P>

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