Das andere Dilemma

- "Fickende Fische"? Ach je, was soll denn das für ein Film sein mit einem so bewusst doofen Titel? Doch hinter dem scheinbar sinnlosen Namen verbirgt sich ein sensibles Drama um die schwierige erste Liebe eines HIV-infizierten Sechzehnjährigen. Kein Schenkelklopfer, aber auch kein trübsinniges Melodram hat die Kölner Regisseurin Almut Getto da inszeniert, sondern eine mit leichter Hand gedrehte Geschichte über das erste Mal, das Erwachsenwerden und das Sterben. Der Film läuft an diesem Donnerstag in den Münchner Kinos Atlantis und Arena an.

<P>Ein deutscher Film mit Hauptdarstellern im Teenie-Alter, der sich mit dem Thema Aids auseinander setzt, das gab es bisher noch nie. . . </P><P>Getto : Ursprünglich wollte ich eine Liebesgeschichte erzählen über zwei junge Leute, die durch äußere Umstände an ihrem Zusammensein gehindert werden. Mir schwebte etwas vor wie "Romeo und Julia". Ich wollte die Diskrepanz zeigen zwischen dem, was man möchte, und dem, was eigentlich machbar ist. Aber die politischen und gesellschaftlichen Strukturen sind heute nicht mehr so einengend. </P><P>Also musste ich ein anderes Dilemma finden, das aber gleichzeitig ähnlich stark ist. Also gibt heute es kaum etwas Dramatischeres als Aids? </P><P>Getto : So ungefähr. Mir fiel auf, dass das Thema heute in unserer Gesellschaft einfach verdrängt wird. Vor 15 Jahren sprachen alle davon, und an allen Schulen gab es entsprechenden Aufklärungsunterricht. Jetzt ist Aids fast in Vergessenheit geraten. Mit dem Film wollte ich die Diskussion wieder anregen, vor allem junge Menschen dafür sensibilisieren. </P><P>Wie haben Sie recherchiert? </P><P>Getto : Es gibt in Düsseldorf eine HIV-Ambulanz für Kinder, und die dortigen Betreuer haben das Drehbuch auf die medizinischen Details hin überprüft. Sie haben mir auch den Kontakt zu einigen Jugendlichen vermittelt. Wie liefen diese Gespräche ab? Getto : Es gab ein Treffen bei mir zuhause in Köln, da kamen die Kids alle mit dem Schlafsack an, und wir haben ein ganzes Wochenende zusammen verbracht.</P><P> Haben Sie von den Kindern Anregungen erhalten, die in den Film eingeflossen sind? </P><P>Getto : Die haben mir eine ganze Menge sehr privater Dinge erzählt, etwa, wie sie selbst mit der Krankheit umgehen, wenn sie verliebt sind und mehr wollen, als nur Händchenhalten. Und auch die Filmsituation zuhause ist ziemlich akkurat so, wie sie ein Junge beschrieben hat. Der brüllte seinen Vater mal an, als der ihm das Biertrinken verbieten wollte: Was soll's, ich sterbe doch sowieso bald. Was will man da noch sagen?</P><P> Sie waren früher Fernseh-Journalistin. Warum dieser Wechsel zum Kino? </P><P>Getto : Das war eine lange Phase, in der dieser Entschluss reifte. Wendepunkt war eine Reportage über die Slums in Kalkutta, die auf dem Bildschirm dann so schön bunt und gar nicht elend aussahen. Da habe ich bemerkt, dass Fernsehen die Wirklichkeit niemals eins zu eins abbilden kann. Das Schöne am Kino ist doch das Geschichtenerzählen, das immer neue Möglichkeiten bietet, und dass man für alles mehr Zeit hat. </P>

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