Filmkritik

"Angelique": Mal schwülstig, mal schwungvoll

München - Frankreich, 1656. Angélique de Sancé, Tochter eines verarmten Barons, wächst auf dem Schloss ihres Vaters zu einer schönen und selbstbewussten Frau heran.

Diese Frau lässt uns nicht los. Auch wenn die Verlage heute Historienromane in Massen produzieren – vor allem für das weibliche Publikum –, ist „Angélique“ noch immer aktuell. Die heimliche Mutter neuerer literarischer Heldinnen wie der „Hebamme“, der „Päpstin“ oder der „Wanderhure“ existiert mittlerweile in 13 Romanen von Anne Golon, fünf alten französischen sowie zwei nicht minder betagten türkischen Filmen. Als wäre das nicht genug, erzählt Regisseur und Produzent Ariel Zeitoun („Die Bankiersfrau“, „Bandidas“) die Geschichte der verarmten, aber schönen Adeligen aus dem 17. Jahrhundert noch einmal.

Seine „Angélique“ lässt sich schwer einordnen. Nora Arnezeder ist (wen wundert’s?) eine schöne Frau, besitzt Ausdruck und jene Spur von Wildheit, die vielen historischen Kitschfantasien auch eine sympathisch-rebellische Dimension verleiht. Diesen positiven Ansatz verstärkt das Drama durch die zeitweise recht witzigen Dialoge aus dem Drehbuch von Philippe Blasband, das genau dann eine ulkige Figur oder einen dummen Spruch präsentiert, wenn der Zuschauer schon fürchtet, nun sei er doch nicht in einem Kinofilm, sondern in einer schmonzettigen TV-Produktion gelandet.

Einer einzelnen Stilrichtung lässt sich „Angélique“ denn auch nicht zuordnen. Uns begegnen augenzwinkernd-emanzipatorische Momente, wie jener, in dem die Protagonistin in Männerhosen zur Zwangshochzeit mit dem weitaus älteren Joffrey de Peyrac (Gérard Lanvin) antritt. Zugleich aber finden wir schwülstige Sexfantasien wie aus einem Erotikmagazin für den weiblichen Jetset. Trotz des ewigen Genre-Hoppings verliert „Angélique“ kaum an Spannung. Geradezu hektisch muten einige Kamerafahrten an. In seinen besseren Momenten aber verbreitet das Melodram den Schwung eines Mantel-und-Degen-Epos. Mit dem traurigen Unterschied, dass Frauen in solchen Momenten meist nur um ihren Ruf und ihre Familie kämpfen dürfen. Eine Idee, ein allumfassendes Ziel hat diese Angélique nicht im Sinn. Nur das, wie man so schön sagt, eigene Glück.

(In München: Mathäser, Gabriel.)

Von Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © dpa

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