Wut ist ein angenehmes Gefühl

- 50 Cent alias Curtis Jackson ist Musiker und nun auch Schauspieler. Der 29-jährige Rapper war früher Drogendealer und Boxer. Am 24. Mai 2000 wurde er von neun Kugeln in Kopf, Arme und Beine getroffen. Er überlebte und startete nach seiner Genesung eine Karriere im Musikgeschäft. Der Durchbruch gelang ihm 2003 mit dem Album "Get Rich or Die Tryin'". Der gleichnamige Film, der das Leben des Künstlers schildert, läuft morgen in den deutschen Kinos an. 50 Cents Biografie schaffte kürzlich sogar den Sprung in die Bestsellerlisten.

War es eine Art Therapie, diesen Film zu machen?

Ja. Schon deshalb, weil ich mich noch einmal mit meinen ganzen Gefühlen auseinander setzen musste. Normalerweise denke ich nicht an die Vergangenheit, schon gar nicht an negative Dinge. Das Leben geht einfach weiter. Bei den Dreharbeiten gab's Momente, die mir wirklich unangenehm waren, auch wenn das niemand außer mir verstanden hat.

So wie die Szene, in der Sie von etlichen Kugeln getroffen wurden?

Die Schießerei hat mich nicht gestört, denn die ist im Film anders. Ich war sehr aufgeregt bei dieser Szene, denn ich wollte meine Körperbewegungen akkurat hinbekommen. Das war wie ein Action-Film, und das war aufregend für mich.

Kann es denn etwas Schlimmeres geben, als eine Situation nachzuspielen, in der man beinahe gestorben wäre?

Ja, und zwar die Szene, in der ich im Operationssaal liege, die war schlimm. Ich musste zwar nichts sagen, eigentlich musste ich überhaupt nichts tun. Aber es war trotzdem eine der härtesten Szenen, denn ich hatte keinerlei Erfahrungen, was bei einer OP passiert. Als ich damals dort war, war ich ja bewusstlos. Wir haben acht Stunden an dieser Szene gearbeitet, und davon kam eine Minute in den Film. Aber ich lag acht Stunden auf dem Tisch mit Make-Up und Maske. Der ganze Raum war voll mit Operationslampen.

Haben Sie Albträume, wenn Sie an das denken, was Ihnen passiert ist?

Nein. Mein Sohn hatte anfangs Albträume. Kurz nachdem ich angeschossen wurde, ist er nachts oft aufgewacht. Er hatte die Schüsse gehört; er hat nichts gesehen. Aber er sah mich danach im Krankenhaus nach dem Kampf.

Der Film zeigt 50 Cent nicht nur als den starken Rapper, sondern auch seine verletzliche Seite.

Es liegt im Charakter von Hip Hop, dass er ein Wettstreit ist. Deshalb zeigt man dabei nicht, dass man empfindsam ist. Der Film ist das ganze Gegenteil. Zu den Höhepunkten gehört die Szene, in der ich weine. Der Film hat sehr emotionale Momente, und die waren eine große Herausforderung für mich, denn normalerweise reagiere ich nicht so. Ich habe lange darauf hingearbeitet, nicht zu weinen, wenn irgendwas falsch lief. Deshalb war es schwierig, sozusagen auf Befehl zu heulen. Bei diesen Drehs war ich sehr nervös und fühlte einen massiven Druck.

Und wie stellt sich so ein emotionsloser Mensch wie Sie auf diese Szenen?

Ich habe einfach aufgehört, am Set mit den Leuten zu reden. Ich habe mich in eine spezielle Zone begeben, in der ich mit den anderen Schauspielern kommuniziert und mich völlig auf dieses Projekt konzentriert habe. Das war weit weg von 50 Cent und dem ganzen Musikgeschäft. Das war cool. Ich war auf allen Ebenen eingebunden, denn nachdem wir die Szenen abgedreht hatten, habe ich ja noch am Soundtrack zum Film gearbeitet.

In welcher Situation würden Sie im realen Leben weinen?

Vielleicht, wenn alles vorbei ist. Ich habe in meinem Leben die schlimmsten Dinge gesehen. Nicht dass sie mir passiert sind, aber Leuten um mich herum. Gestern waren sie noch da, und heute sind sie nicht mehr unter uns. Ich habe mich dahin gebracht, bei vielen Dingen keine Gefühle zu zeigen. Manche Leute fangen an, zu heulen und traurig zu sein. Ich werde eher wütend, dass ich mich mit einer bestimmten Situation auseinander setzen muss. Und Wut ist für mich ein angenehmes Gefühl.

Und wie bemerkt es Ihre Umwelt, wenn Sie dieses "angenehme Gefühl" beschleicht?

Ich setze mich nicht gern mit meinen Gefühlen auseinander, ich kann damit nicht gut umgehen. Das zeigt sich dann bei nächstbester Gelegenheit, denn dann explodiere ich. Besonders wenn Leute aus meiner Umgebung umgebracht werden.

Das Gespräch führte Matthias Würfl

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