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Vera (Elene Anaya) (r) und Professor Roberto Ledgard (Antonio Banderas) in einer Szene des Filmes "Die Haut, in der ich wohne" (undatierte Filmszene)

Antonio Banderas: Das ist das Geheimnis meiner Ehe

München - Schauspieler Antonio Banderas spielt in seinem neuen Film einen skrupellosen Schönheitschirurg. Im Interview spricht er über Schönheit, das Geheimnis seiner Ehe und verrät, wie er Michael Douglas mit Catherine Zeta-Jones verkuppelt hat.

„Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich rauche?“ fragt Antonio Banderas zu Beginn unseres Gesprächs beim Filmfestival von San Sebastián. „Mein einziges Laster“, entschuldigt sich der legendäre Latin Lover lächelnd. Der 51-Jährige spricht mit sanfter Stimme und wirkt dabei überaus nachdenklich und sympathisch – ganz anders als der skrupellose Schönheitschirurg, den er in „Die Haut, in der ich wohne“ spielt. Der Psychothriller, der am Donnerstag in unsere Kinos kommt, ist Banderas’ sechste Zusammenarbeit mit Spaniens Regie-Altmeister Pedro Almodóvar.

Müssen Sie eine Figur wie diesen perversen Arzt mögen, um sie spielen zu können?

Nein. Ich beurteile meine Filmfiguren nie von einem moralischen Standpunkt aus, sondern nähere mich ihnen wertfrei. So habe ich auch versucht, diesen monströsen Mediziner wie einen normalen Arzt zu spielen: Ich ließ ihn mit Dildos hantieren, als würde er harmlose Rezepte ausstellen. Denn er selbst denkt ja nicht, er täte etwas Böses – im Gegenteil: Er findet, seine Experimente seien ein Segen für die Menschheit.

Gibt es Grenzen, die Sie vor der Kamera nicht überschreiten würden?

Ich würde nichts von vornherein ausschließen. Wie Pedro Almodóvar stürze ich mich mit Leidenschaft in das Studium der menschlichen Seele und ihrer Abgründe.

Vor knapp 30 Jahren wurden Sie beide hier in San Sebastián für Ihren ersten Film „Labyrinth der Leidenschaften“ fast gelyncht. Inwieweit hat sich Almodóvar verändert?

Inhaltlich sind seine heutigen Filme wesentlich vielschichtiger und tiefgründiger. Sein Inszenierungsstil ist hingegen minimalistischer und reiner geworden – Pedro hat sich beinahe zu einem kleinen Japaner entwickelt! Aber noch immer weigert er sich standhaft, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen. Das finde ich erfrischend.

Und wie haben Sie sich verändert?

Ich bin viel ruhiger, entspannter und furchtloser als früher. Denn ich habe endlich kapiert, dass die Angst der schlimmste Feind eines Schauspielers ist – und dass es in der Filmbranche besonders wichtig ist, „Nein“ sagen zu können. Darum arbeite ich nur noch mit Regisseuren zusammen, die mich wirklich interessieren. Schließlich bin ich jetzt über 50 – höchste Zeit, endlich erwachsen zu werden! (Lacht.)

Sind Sie froh darüber, dass Sie vor der Kamera nicht mehr bloß den Latin Lover geben müssen?

Ja! Mit meiner Rollenwahl habe ich ohnehin immer versucht, dieses lästige Etikett loszuwerden, das an mir klebt – wahrscheinlich habe ich in meiner Karriere sogar mehr Schwule dargestellt als jeder andere lebende Schauspieler. Ich sehe das Älterwerden als ein Geschenk: Falten und graue Haare sorgen hoffentlich dafür, dass der Latin Lover endlich bald verschwindet und Platz macht für interessantere Figuren!

Seit 15 Jahren sind Sie mit Melanie Griffith verheiratet. Was ist Ihr Geheimnis?

Das Geheimnis heißt Liebe. Wir lieben uns, aber wir versuchen nicht krampfhaft, die Gefühle zu reproduzieren, die wir zu Beginn unserer Beziehung füreinander hatten: Wir akzeptieren, dass die anfängliche Leidenschaft sich nicht konservieren lässt und dass eine Liebe sich im Lauf der Zeit verändert. Hinzu kommt, dass wir beide einen ausgeprägten Familiensinn haben: Die Kinder schweißen uns als Paar noch mehr zusammen.

Stimmt es, dass Sie Michael Douglas bei der Gründung seiner eigenen Familie geholfen haben?

Ja, das war 1998 bei den Filmfestspielen von Deauville. Ich stellte dort „Die Maske des Zorro“ vor, Michael präsentierte „Ein perfekter Mord“. Beim Abendessen kam er an meinen Tisch und flüsterte mir zu: „Kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?“ Wir gingen nach draußen, und er fragte: „Wer ist denn das tolle Mädchen an deiner Seite?“ Ich sagte: „Das ist Catherine Zeta-Jones, die Hauptdarstellerin unseres Films.“ Daraufhin meinte er: „Mein Gott, die ist ja umwerfend! Kannst du mich ihr bitte vorstellen?“ Tja, und den Rest der Geschichte kennen Sie ja! (Lacht.)

Das Gespräch führte Marco Schmid

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