Schöne Bilder allein reichen nicht aus

"Araf": Schwaches Drama mit starken Schauspielern

München - "Araf - Somewhere in between" von Regisseurin Yeşim Ustaoǧlu ist ein Jugenddrama aus der Türkei. Die Schwäche des Films ist sein Plot. Seine Stärke sind die Schauspieler. Die Kritik:

Yeşim Ustaoǧlu hat ein Händchen für schöne Bilder. In ihrem fünften Spielfilm „Araf“ überlässt die türkische Regisseurin keine Kameraeinstellung dem Zufall. Die Gesichter ihrer Protagonisten bewegen sich langsam wie Schnecken von einer Seite zur anderen oder schauen geplagt ins Nichts. Zentralperspektive und Achsensymmetrie prägen die Optik, allerdings mit kleinen Verschiebungen.

Beste Voraussetzungen für die Darstellung liefert Ustaoǧlus Hauptdarstellerin Neslihan Atagül. Ihre ebenmäßigen Züge leuchten wie Milch. Da spielt es keine Rolle, ob sie lacht oder traurig durch eine Fensterscheibe blickt, über die Regenwasser läuft. Es ist immer poetisch.

Wie die meisten auf fragile Schönheit bedachten Filme erzählt „Araf“ eine traurige Geschichte. Araf ist eine Raststätte an der Autobahn zwischen Istanbul und Ankara. Dort arbeiten die 18-jährige Zehra (Atagül) und der gleichaltrige Olgun (Bariş Hacıhan). Beide sehnen sich nach einem besseren Leben als dem in der türkischen Provinz. Und obwohl sie das perfekte Paar abgäben, verliebt sich Zehra in einen LKW-Fahrer (Özcan Deniz) und wird von diesem schwanger zurückgelassen.

Die Stärke von „Araf“ sind die Schauspieler. Jeder von ihnen verleiht seiner Figur eine entrückte, aber doch sympathische Verletztlichkeit. Die Schwäche des Dramas ist sein Plot. Denn schon in den ersten Momenten wird klar, dass die Regisseurin nun zwei Stunden lang auf poetische Weise von realer Tristesse erzählen wird. Sie tut es unendlich langsam und konzentriert sich weniger auf die Handlung als auf die Form. Hauptsache alles kündet von verwelkter Schönheit.

Irgendwann aber reichen die Bilder nicht mehr aus, um den Zuschauer zu fesseln. Es braucht Biss, Konflikt, Leben und Aufruhr. Sonst wird der Film ebenso trübselig wie seine Szenerie.

"Araf"

mit Neslihan Atagül, Özcan Deniz, Bariş Hacıhan

Regie: Yeşim Ustaoǧlu

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Sozialdramen des Autorenkinos mögen.

Von Kathrin Hildebrand

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