007 aus der Arbeiterklasse

- Eigentlich hat der Schriftsteller Ian Fleming recht genaue Anweisungen hinterlassen, wie James Bond sein soll: der Spross eines vornehmen Hauses, ausgebildet an der Elite-Schule Eton. Volles schwarzes Haar sollte ihm über die Stirn fallen "wie ein dunkles Komma". Nichts davon trifft auf Daniel Craig zu. Auch sonst weicht der 38-Jährige deutlich von seinen 007-Vorgängern ab.

Dennoch gibt es -­ nach anfänglichen Unkenrufen -­ für den sechsten und zugleich ersten blonden Bond fast einhelliges Lob. Dass der neue Bond weniger Supermann und viel mehr Mensch sein sollte, machte für Craig das "Ja" zum Rollenangebot leichter. Am Donnerstag läuft der Streifen in Deutschland an.

Craig ist der Sohn eines Gerüstbauers und Ex-Matrosen der Handelsmarine und einer Kunstlehrerin. Ein Bursche, der mit 16 nicht in Eton glänzte, sondern die Gesamtschule schmiss. Seine Teenager-Zeit verbrachte er in Liverpool. Es dürfte mit an dieser Erfahrung liegen, dass Craig ein wenig wirkt wie der "erste Bond aus der Arbeiterklasse". Durchaus versehen mit der Fähigkeit zu mediterraner Leichtigkeit, charmant und witzig, aber auch volkstümlich. Das steht keineswegs im Widerspruch zu Angelina Jolies Kompliment, Craig sei der "beste Küsser, mit dem ich je gearbeitet habe". Er bekam es, nachdem er sich 2001 in "Lara Croft: Tomb Raider" auch in Hollywood bewährt hatte.

Craig hasst im Übrigen kaum etwas mehr als Getratsche über sein Privatleben. Wenn überhaupt, dann spricht er mit Reportern über seine Karriere. Gern erzählt er, dass sie kein Zufall, sondern Ergebnis einer Mischung aus Passion für den Schauspielerberuf ­ schon seit dem sechsten Lebensjahr ­ und disziplinierter Arbeit ist. An der renommierten Londoner Guildhall School of Music and Drama gehörte er zu den Besten. Eine wichtige Station war das legendäre Theater Old Vic. Als bemerkenswerter Charakterdarsteller erwies sich Craig 2003 in dem Kinodrama "Die Mutter" mit der Rolle eines jungen Mannes, der sich in die 64-jährige Mutter seiner Freundin verliebt. Viel Lob erntete er auch als Sohn eines Gangsters an der Seite von Paul Newman in "Road to Perdition" (2002) und als Drogendealer, der aussteigen will, in "Layer Cake" (2004).

Bevor Daniel Craig nicht nur für "Casino Royale", sondern auch zwei weitere Bond-Folgen unterschrieb, hat er lange nachgedacht ­ trotz eines eindrucksvollen Millionen-Angebots. Der Grund ist künstlerischer Ehrgeiz. "Für einen Schauspieler mit Ambitionen muss es einfach irgendwann auch ein Oscar sein", sagte er. Dass dies mit der 007-Rolle gelingen könnte, hält er für ausgeschlossen. Doch wer die Reihe kennt, der kennt auch den Titel "Sag niemals nie".

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