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Bissige Fragen: Tom Cruise ließ sich bei der Pressekonferenz auch davon nicht aus der Ruhe bringen.

Vor der Premiere

Der artige Superstar

Berlin - Nur ein, zwei Mal, ganz kurz fletschte Tom Cruise die Zähne zu seinem ganz speziellen, weltweit bekannten Tom-Cruise-Grinsen.

Ansonsten saß der Superstar ganz artig in einer Reihe mit seinen nicht weniger als 14 Kollegen, die sich zur Pressekonferenz zu „Operation Walküre“, Hollywood-Version des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944, ins luxuriöse Berliner „Hotel de Rome“ eingefunden hatten – eine Rekordkulisse auch in der Star-erprobten Hauptstadt anlässlich der Europapremiere des Films gestern Abend.  „Ich wollte Hitler töten“ – diesen Satz, vor Monaten bereits Schlagzeile einer Boulevardzeitung, wiederholte Cruise auch nun wieder. Und berichtete von Tagträumen als Kind, in denen er sich bereits vorgestellt hatte, gegen das Böse zu kämpfen. Wer sich noch an die letzten Auftritte von Cruise in Berlin erinnerte, sämtlich Desaster für die Marketing-Verantwortlichen in Cruises Umfeld, erlebte am Mittwoch einen diszipliniert-sympathischen, routiniert-freundlichen Star, der kühl seinen Film promotete, für jeden ein nettes Wort und ein Lächeln übrighatte und sich von keiner Frage aus der Ruhe bringen ließ.

Dabei fragte die bekannt bissige Hauptstadtpresse durchaus auch nach Unangenehmem: Ob er von der kritischen Debatte über das Stauffenberg-Projekt gehört habe? Hat er „natürlich – aber ich versuche, immer das Beste zu geben. Und man sollte meine Filme nach dem Ergebnis beurteilen, nicht im Voraus.“ Ob er nach mehreren Misserfolgen nicht einen Erfolg bitter nötig habe – künstlerisch als Schauspieler, ökonomisch als Produzent des Films? „Seit ich Filme mache, sagen die Leute: Mit seinem nächsten Film wird er aber auf die Nase fallen. Ich versuche, immer das Beste zu geben.“ Ob der Film seine Ansichten über die Deutschen geändert habe, schließlich sei er hierzulande nicht gerade beliebt? Er kenne, so Cruise, viele nette Deutsche; ja, die Aufnahmen in Berlin seien fantastisch gewesen, die Menschen angenehm, die Stadt toll und der Dreh im Bendlerblock der bewegendste Moment der Arbeit. Und natürlich: „Ich versuche, immer das Beste zu geben.“

Da war es dann irgendwann schon etwas spannender, Regisseur Bryan Singer und seinem Drehbuchautor Christopher McQuarrie zuzuhören. Auf die Frage, ob es denn eine Umstellung gewesen sei, nach Comic-Superhelden-Verfilmungen einen ernsten historischen Stoff anzugehen, antwortete Singer: „Sie werden sich wundern: Ich bin die Sache genau wie ,X-Men‘ angegangen.“ Zum einen habe er da genau so seriös gearbeitet, und schließlich gehe es auch in Superhelden-Filmen um die richtige Mischung aus Action und Poesie. Aber auch Stauffenberg sei für ihn natürlich ein Held, eine Ausnahmeerscheinung. Zum anderen sei er, so Singer, als Jude und Schwuler im doppelten Sinn ein Außenseiter und dankbar für Verteidiger von Minderheitspositionen. „Mir imponieren Menschen, die ihrem Gewissen folgen, nicht zwanghaft der Mehrheitsmeinung folgen.“

Schon aus wenigen Bemerkungen von Christopher McQuarrie wurde deutlich, wie viel Wissen der Drehbuchautor angehäuft hatte: „Mir ging es um historische Genauigkeit. Das Projekt kann sich sehen lassen.“ Nicht weniger interessant waren die Aussagen der anderen Schauspieler: „Ich glaube nicht, dass ein Film dazu da ist, uns Menschen besser zu machen“, so Tom Wilkinson, der die Rolle des eingeweihten, aber unbeteiligten Generals Friedrich Fromm spielt. „Kunst lehrt uns nicht. Aber sie begleitet unser Leben, sie schärft unsere Sinne, sie ist das, was uns von Tieren unterscheidet.“ Bewegend schließlich die Aussagen von Stauffenberg-Enkel Philipp von Schulthess, der Schauspieler ist und im Film einen Fahrer spielt: „Es war merkwürdig, plötzlich meinem Großvater gegenüberzustehen. Ich finde, der Film ist gelungen, ohne Peinlichkeiten.“

Von Rüdiger Suchsland

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