Aschenputtel in Kyoto

- 1997 wurde Arthur Goldens Roman "Memoires of a Geisha" postwendend zum Bestseller. Er basiert auf einem "wahren Geschehen" - den Erinnerungen der legendären Geisha Mineko Iwasaki. Goldens Amerikanisierung dieses hochinteressanten Buches brachte ihm eine Klage und das Verbot ein, sich auf Iwasaki zu berufen. So viel zur "Authentizität".

Rob Marshall, ein solider Regie-Handwerker, der sich mit dem Musical "Chicago" bereits als Spezialist des Künstlichen etabliert hat, macht es nicht besser, jedenfalls, wenn man daran interessiert ist, irgendetwas über japanische Kultur zu erfahren oder gar den Geisha-Mythos zu erforschen. Im Gegenteil bedient der Film das Vorurteil, bei Geishas handele es sich allemal nur um verkappte Prostituierte: Dass sie das nicht seien, wird zwar mehrfach betont, doch letztlich rankt sich einer der Haupthandlungsstränge darum, wie eine Geisha ihre Jungfräulichkeit meistbietend verkauft.

Sieht man "Die Geisha" freilich als das, was es eigentlich ist - ein Stück historischer Kolportage, ein süffiges Melodram, das auf der Klaviatur unserer Gefühle mehr herumknüppelt, als sie fein zum Klingen bringt -, kann man sich durchaus amüsieren. Überaus gefühlvoll begleitet man die junge, arme Chiyo, die der Vater 1929 in die Stadt verkauft, wo sie als Dienstmädchen eines Geisha-Hauses beginnt und dann zur schönsten, berühmtesten und überhaupt besten Geisha Japans aufsteigt. Aschenputtel in Kyoto. Der Prinz, der in dieser Story nicht fehlen darf, ist ein Mann, der eher Chiyos Vater sein könnte, und den sie 20 Jahre lang anschwärmt, bevor die Liebe sich erfüllt. Denn auch er war - ganz scheuer Japaner aus dem Bilderbuch - zu schüchtern, um ihr seine Liebe früher zu gestehen.

Der Film lebt vor allem von elegischen Bildern, ist virtuos inszeniert, kann mit herrlichen Set-Designs und wunderbarer Musik aufwarten. Auch die Schauspielleistung ist hervorzuheben. Für Hollywood ist es wohl sogar ein Zeichen von Wagemut, sämtliche Rollen mit Asiaten zu besetzen. Und bei Gong Li, Michelle Yeoh und Zhang Ziyi, die die Hauptrolle spielt, handelt es sich um einige der besten Darstellerinnen Asiens. Dass alle aus China stammen, ist für jeden Asiaten zwar ungefähr so, als würde man in Europa drei kühle Schwedinnen von feurigen Sizilianerinnen spielen lassen; weswegen die Japaner den Film nun wütend boykottieren. Solche Wurschtigkeit, der offenbar Schlitzauge gleich Schlitzauge ist, ist genau das Problem dieses kurzweiligen, manchmal schönen, aber doch auch ziemlich groben Films.

Man möchte "Die Geisha" immer wieder mögen, aber ärgert sich doch zu sehr über schrecklich banale Hollywood-Dialoge und darüber, dass all das Japan genau so gerecht wird, wie Puccinis "Madame Butterfly".

"Die Geisha"

mit Zhang Ziyi, Ken Watanabe

Regie: Rob Marshall

Annehmbar

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