Auferstanden

- Die Dänin Susanne Bier, die 2002 mit dem Dogma-Melo "Open Hearts" von sich reden machte, drehte nun den ersten Film, der sich der Tatsache zuwendet, dass spätestens seit Anfang der 90er-Jahre - zuerst in Jugoslawien, jetzt in Afghanistan - wieder europäische Soldaten im Kriegseinsatz sind. Man wundert sich, warum diese Vorgänge im Gegensatz zum US-Kino bisher auf hiesigen Leinwänden nicht stattfanden. Der europäische Film scheint den Krieg zu verdrängen, ja totzuschweigen.

<P>Susanne Biers "Brothers" ist exzellent, mit Sicherheit einer der besten europäischen Filme des Jahres. Doch "Brothers" ist keineswegs ein Kriegsfilm. Die Handlung spielt unter normalen Leuten, die in einem normalen Reihenhaus mit Garten leben, nicht arm, aber auch nicht reich. Der Offizier Michael (Ulrich Thomsen) verabschiedet sich von seiner Familie. Man sieht, dass er daheim mit Frau Sarah (Connie Nielsen) und zwei Töchtern glücklich ist. Am Morgen muss er nach Afghanistan.<BR><BR>Michael wirkt wie die Hauptperson, doch dann explodiert sein Hubschrauber, fällt wie ein Stein in einen See. Plötzlich steht seine Witwe im Zentrum. Wir sehen die Trauerfeier, die Folgen für die Kinder, den Zusammenbruch der Familie. Denn der Tote war der Lieblingssohn des Vaters. Sein Bruder Jannik wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen, doch jetzt schlüpft er zusehends in die Rolle Michaels. Als ob dessen Tod für ihn eine zweite Geburt, eine neue Chance bedeutete.<BR><BR>Als sich alle mühsam aufgerappelt haben, steht der "Tote" wieder auf. Er hat in einem afghanischen Gefangenenlager überlebt. Doch als er zurück ist, wird nichts, wie es war. Im Gegenteil: Im Lager zwang man Michael, einen Mithäftling zu töten; traumatisiert wird er nun zur Gefahr für seine Familie. Glänzend inszeniert Bier diese emotionale Tour de Force, führt uns immer wieder in die Irre - wir sollen nachempfinden, was den Figuren widerfährt.<BR><BR>"Brothers" ist kein Dogma-Werk, steht aber in der erzählerischen, stilistischen Tradition der Gruppe: Bilder mit subjektiv-gefühlvoller Kamera zeigen ein Kino der Leidenschaften. Ein kühles Melodram aus der Mitte des Lebens. Eindringlich, immer nahe an der Gegenwart demonstriert der Film, was der Krieg mit Menschen macht und was er mit uns zu tun hat. Ohne Kitsch oder erhobenen Zeigefinger. Man fragt sich etwas resigniert, warum solche Filme nie in Deutschland gedreht werden. <BR><BR>(In München: City, Rottmann.)<BR><BR>"Brothers"<BR>mit Nikolaj Lie Kaas, Ulrich Thomsen<BR>Regie: Susanne Bier<BR>Hervorragend</P>

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