"Nachthelle": Die Ausgrabung der Vergangenheit

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Florian Gottschicks Spielfilm „Nachthelle“ ist ein Psychodrama, das sich mehr und mehr zu einem Thriller entwickelt. Hier sehen Sie den Kinotrailer.

Anna (Anna Grisebach) und ihr Freund Stefan (Vladimir Burlakov) fahren für ein Wochenende in die Lausitz. Es ist unerträglich heiß und staubig, trotzdem wollen sie ihr Heimatdorf noch einmal sehen. Demnächst sollen Bagger den längst verlassenen Ort einebnen. In der flirrenden Hitze gerät die ohnehin komplizierte Beziehung des Paares in eine eigentümliche Schieflage. Daran ist nicht nur das Wiedersehen mit Annas alten Freunden Bernd (Benno Fürmann) und Marc (Kai Ivo Baulitz) schuld. Denn in der gemeinsam verbrachten Jugendzeit ist etwas passiert, was besonders Anna erfolgreich verdrängt hat.

Florian Gottschicks Spielfilm „Nachthelle“ ist ein Psychodrama, das von feinen Momenten des sanften Unbehagens durchwoben ist. Die groteske, unheimlich anmutende Szenerie der unbewohnten Häuser und leeren Straßen ist clever gewählt, die entsprechenden Irritationen geschickt gesetzt. Die vier sehr unterschiedlichen Figuren sind wie in einem Kammerspiel erbarmungslos aufeinander konzentriert. So entwickelt sich das Wochenende, das als gemeinsames Schwelgen in alten Erinnerungen gedacht war, immer mehr zu einem Thriller – und zu einer Tragödie.

Wie beim Tagebau, der um sie herum die Kohle ans Licht befördert, tauchen inmitten der Gruppe immer mehr Geheimnisse der Vergangenheit und Unbewältigtes aus der Gegenwart auf. Und keiner der Beteiligten kann es lassen, weiter zu graben.

Die Filmmusik ist zwar manchmal etwas aufdringlich und die Dialoge am Anfang unfreiwillig komisch. Dafür beeindrucken alle vier Darsteller mit ihrem grandiosen, hochkonzentrierten Spiel.

von Ulrike Frick

„Nachthelle“

mit Anna Grisebach

Regie: Florian Gottschick

Laufzeit: 87 Minuten

Rubriklistenbild: © SnackTV

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