Auf Autopilot

- Zu Beginn seiner Karriere galt Robert De Niro als krankhaft wählerisch, wenn es um seine Rollen ging. Jeder neue Film mit ihm war eine Entdeckungsreise, und er nahm sich dafür Zeit - zur Verzweiflung von Produzenten mitunter Jahre. Aber irgendwann in den 80er-Jahren mutierte De Niro zum Vieldreher, der auch bei durchschnittlichen Projekten mitwirkt. "Hide and Seek" ist so ein liebloses 08/15-Werk, in dem De Niro souverän agiert, aber wirkt, als hätte er sich künstlerisch für die innere Emigration entschieden.

<P>In dem Thriller spielt er den Psychiater Richard Goodman, der nach dem Selbstmord seiner Frau mit seiner Tochter Emily (Hollywoods begehrtester Kinderstar Dakota Faning) aufs Land zieht, um mit dem traumatisierten Mädchen die Trauer zu verarbeiten. Aber Emily reagiert verstockt und irritiert ihren Vater durch Geschichten über einen offenbar fiktiven Freund namens Charlie, der sie zu aggressivem Verhalten anstachelt. Weil sich unerklärliche Zwischenfälle häufen, beginnt der Vater an die Existenz des mysteriösen Charlie zu glauben und macht sich auf die Suche nach ihm.<BR><BR>Solange "Hide and Seek" kammerspielartig das Drama einer zerbrochenen Familie in den Mittelpunkt stellt, funktioniert der Film vergleichsweise gut. Aber je mehr Thriller-Elemente einfließen, desto offenkundiger wird die Hilflosigkeit der Autoren, aus einer guten Anfangsidee eine echte Geschichte zu machen. Wenn alles aufgelöst wird, ist man ob so viel Einfallslosigkeit fast schon wieder überrascht. Regisseur John Polson hat leider auch nicht mehr dazu beizutragen, als seine Schauspieler in dröge Klischees zu drängen. Dass De Niro gegen Ende auf Autopilot schaltet und mit nicht für möglich gehaltener Beliebigkeit seine Langeweile kaum unterdrücken kann, ist das einzig Erschreckende an "Hide and Seek". </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Autokino, Cinema i.O.)<BR><BR>"Hide and Seek"<BR>mit Robert De Niro, Dakota Faning<BR>Regie: John Polson<BR>Erträglich </P><P> </P><P> </P>

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