Kinotrailer und Filmkritik

Darum ist „Der Babadook“ ein hervorragender Gruselfilm

Ein Trauma verschwindet nicht. Aber man kann ihm die Übermacht nehmen. „Der Babadook“ erzählt sehr bewusst und erstaunlich konsequent vom Unbewussten.

Samuel durfte noch nie seinen Geburtstag feiern. Denn an dem jährt sich zugleich der Tod seines Vaters – verunglückt auf dem Weg zur Entbindung. Amelia, die Mutter, hat das nie verwunden. Sie und Samuel schlagen sich allein durchs Leben. Aber in ihrem düsteren Haus lauert das Unbehagen schon, bevor ein unheimliches Kinderbuch auftaucht. Aus dessen Seiten scheint bald der grausige „Mr. Babadook“ zu entsteigen, um sich erst Samuels, dann Amelias zu bemächtigen.

Viele Horrorfilme holen ihre Angstfantasien direkt aus den Tiefen der Psyche auf die Leinwand. Manche Horrorfilme jedoch erzählen sehr bewusst vom Unterbewussten. Jennifer Kents beeindruckendes Langfilmdebüt gehört zur zweiten Sorte: Sein Monster ist überdeutlich als Manifestation gemeint von Amelias Trauma. Der Babadook lässt all die unterdrückten Gefühle gruslige Gestalt annehmen: Die unbewältigte Trauer, Depression – und den uneingestandenen Hass auf das Kind, dessen Geburt Amelia ihren Partner genommen hat; das nun ihr ganzes Leben beansprucht, keinen Raum mehr lässt für ihre eigenen (auch sexuellen) Bedürfnisse.

Das hätte leicht zu planvoll allegorisch werden können, so überkontrolliert wie in ein paar Szenen die schwarz-grau-altrosane Farbdramaturgie. Doch der Film beherrscht auch die nötige Grusel-Mechanik seines Genres. Und alles Verkopfte hat keine Chance gegen die emotionale Intensität der Darsteller. Noah Wiseman ist ein seltener Glücksfall an Filmkind: Latent unheimlich und enervierend, wo er’s sein soll – aber dann ohne jede Süßlichkeit Sympathieträger. Und die sensationelle Essie Davis gibt Amelia eine enorme Bandbreite; von allen mitleiderregenden wie furchteinflößenden Facetten einer fragilen Psyche bis zu einer Stärke, vor der sogar das Monster kuscht.

Der Film bleibt dabei konsequent, seinem „Babadook“ nicht wie einem genreüblichen Spuk den Garaus zu machen: Ein Trauma verschwindet nicht. Aber man kann ihm die Übermacht nehmen.

von Thomas Willmann

„Der Babadook“

mit Essie Davis, Noah Wiseman

Regie: Jennifer Kent

Laufzeit: 93 Minuten

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