Der Bann ist gebrochen

- Die Trümmer des World Trade Center ragen wieder qualmend in den Himmel - nur diesmal nicht an der Südspitze Manhattans, sondern in der Nähe des Flughafens von Los Angeles. Vier Jahre hat sich Hollywood nicht an das Thema Terroranschläge herangewagt, doch jetzt ist der Bann gebrochen: In diesem Jahr werden gleich zwei Filme dazu ins Kino kommen. Oliver Stone (59) hat sich als erster des brisanten Stoffs angenommen. Sein Film mit dem Arbeitstitel "World Trade Center" (US-Start 11. August) erzählt die wahre Geschichte zweier Polizisten, die als letzte lebend geborgen wurden.

Der Brite Paul Greengrass (50) verfilmt unterdessen für das Hollywoodstudio Universal das Drama der vierten entführten Maschine, die vermutlich das Weiße Haus oder das Kapitol treffen sollte, aber wegen eines Aufstands der Passagiere vorher abstürzte. Nach der Flugnummer heißt der Film "Flight 93" (28. April).

Lange hat Hollywood jeden Bezug auf "9/11" vermieden. Aus "Spiderman" wurde zum Beispiel eine Szene, in der der Superheld sein Netz zwischen den Türmen des World Trade Center aufspannt, herausgeschnitten. Jack Nicholson gab damals die Stimmung in Hollywood wieder, als er sagte: "Meine Reaktion auf den 11. September war, keine Filme zu machen, die traurig oder kritisch sind.

Ich habe beschlossen, kein Geld damit zu verdienen, Leute zu deprimieren." Der gebürtige New Yorker Stone sieht das inzwischen ganz anders: "Der 11. September war das wichtigste Ereignis unseres Lebens. Er überschattet die Zukunft von uns allen. Für das Kino ist es essenziell zu ergründen, was das bedeutet." Ähnlich sieht es Greengrass: Die Passagiere in der vierten Maschine "waren die ersten Menschen, die in der Zeit nach dem 11. September lebten". Denn durch Handyanrufe wussten sie bereits, dass zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Center gerast waren. "Vierzig ganz normale Leute hatten 30 Minuten, um sich mit der Realität auseinander zu setzen, in der wir jetzt leben, und zu entscheiden, was zu tun war. Ihre Debatte ist unsere Debatte."

Bei den Hinterbliebenen der Opfer hat vor allem der Name Stone Misstrauen ausgelöst. Denn er gilt seit seinen Anti-Kriegsfilmen "Platoon" als Linker. Vorsorglich versichert Stone bei jeder Gelegenheit, er wolle "die Helden des 11. September ehren".

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