Barbaren im Dienste Roms

- Männer, große und heldenhafte, aber auch gebrochene waren es bisher, die im Mittelpunkt von Antoine Fuquas Filmen standen. Man möchte wissen, was diesen Regisseur eigentlich umtreibt: Zu wenig gemein haben "Training Day" und der missglückte Schmachtfetzen "Tears of the Sun", die dümmstmögliche Rechtfertigung westlichen Imperialismus unter der Maske humanitärer Intervention ist. Jetzt kommt Fuquas "King Arthur", die eher skeptische Betrachtung eines Reiches, das gerade untergeht. Ein umgedrehter Western, in dem Terrain nicht erobert, sondern durch geordneten Rückzug aufgegeben wird. Mit dem alten Artus-Mythos hat das fast nichts mehr zu tun, außer dass die Namen stimmen, dass es eine Tafelrunde gibt und dass es um edle Helden geht.

<P>Diese Ritter der Tafelrunde sind Barbaren im Dienste Roms, keine vollwertigen Bürger, aber die besseren Römer, weil sie die Römertugend noch in sich tragen. Das immerhin passt historisch, denn die Artus-Sage, geschrieben im Spätmittelalter, ist auch ein Untergangsmythos, der Abgesang auf eine verlorene Zeit. </P><P>Alle zehn Jahre kommt ein "King Arthur" ins Kino. Robert Bressons asketischer Version folgte John Bormans überkandidelter, barocker "Excalibur", 1980 ein später Reflex der Hippie-Ära, ruchlos und schmutzig. Mitte der 90er war dann Richard Gere ein umso gelackterer Lancelot, und Sean Connery ein allzu alter Mann: "First Knight" war im Grunde ein Yuppie-Angestelltendrama, das davon handelte, was passiert, wenn man mit der Frau des Chefs anbandelt. Der neueste "Arthur" ist nun wieder politischer, ein sehr zeitgemäßer Actionfilm: Die Wildheit, die er an Tag legt, ist tatsächlich nur vorgetäuscht, wirklich mutig ist er genauso wenig wie filmisch innovativ. Aber keineswegs dumm.</P><P>Man sieht ihn gern, die Action ist kurzweilig, die Kamera von Slavomir Idziak großartig. Nur Hans Zimmers immer gleiche Musik kann man nicht mehr hören. Und was Fuqua offenbar umtreibt: viel Gewalt und reine Männerwelten. Die Frauen spielen nur am Rand eine Rolle. Keira Knightley darf als Guinevere immerhin eine sexy Bogenschützin sein und viele Schurken töten. Im entscheidenden Moment aber muss sie doch von Lancelot gerettet werden. Umgekehrt wär's besser gewesen. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Autokino, Gabriel, Cinema i. O.)</P><P>"King Arthur"<BR>mit Clive Owen, Keira Knightley, Til Schweiger<BR>Regie: Antoine Fuqua<BR>Sehenswert </P>

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