Barbie auf Knopfdruck

- Adrett toupierte Damen freuen sich über eine Waschmaschine. Frauen, die in blümchengemusterte Kittelschürzen gewandet sind, tanzen um einen Kühlschrank herum, als sei er das goldene Kalb. Eine strahlende Mutter setzt ihrer um den Tisch versammelten Familie mit leuchtenden Augen den Sonntagsbraten vor. Mit diesen Szenen, die alle aus Werbespots der Fünfzigerjahre zu stammen scheinen, bebildert Frank Oz den Vorspann seines Remakes von "Die Frauen von Stepford".

<P>Wie deutlich sich die Wirklichkeit von diesem Frauenbild entfernt hat, zeigt danach die Auftaktsequenz des Films: Joanna (Nicole Kidman), gestresste Karrierefrau und Mutter, verliert ihren Job bei einem Fernsehsender. Mit Mann und Kindern zieht sie von Manhattan ins lauschige Nest Stepford nach Connecticut. Wie sich bald herausstellt, ist der Umzug nicht nur eine Flucht aufs Land, sondern eine Zeitreise für die New Yorker Familie: In Stepford ticken die Uhren noch anders.<BR><BR>Die Frauen sehen aus wie Barbie-Klone, sind in rüschiges Pastell gekleidet und interessieren sich ausschließlich für die Pflege von Heim und Brut. Die Männer, denen diese bildhübschen, hörig-hohlköpfigen Dienerinnen rund um die Uhr zu Füßen liegen, zeichnen sich vor allem durch ihre intellektuelle wie optische Durchschnittlichkeit aus. Joanna ist verwundert und will dem Geheimnis von Stepford auf den Grund gehen. Hätte sie das mal lieber bleiben lassen . . .<BR><BR>Ira Lewins Thriller "The Stepford Wifes" war 1974 ein ähnlicher Bestseller wie kurz zuvor sein Roman "Rosemarys Baby", der von Roman Polanski verfilmt wurde und dadurch zu Weltruhm gelangte. "The Stepford Wifes" setzte 1975 Regisseur Bryan Forbes zu einem düsteren Horrorfilm mit komödiantischen Momenten um.<BR><BR>Frank Oz hat jetzt eine Neuverfilmung des Schockers gewagt. In Starbesetzung. Bette Midler, Glenn Close, Christopher Walken und Matthew Broderick sind nun neben Kidman die Helden dieser schrecklichen Männerfantasie, die mal eine bissige Satire auf die spießige Betulichkeit amerikanischer Kleinstädte war - und eine Hymne auf die Emanzipation. Denn die Stepforder Ehemänner haben ihren Frauen Mikrochips eingepflanzt, die sie auf Knopfdruck gefügig und anschmiegsam werden ließen. Widerworte und eigener Willen sind auf der Platine nicht programmiert.<BR><BR>Im Original von Bryan Forbes ermordeten die Herren ihre Angetrauten erst einmal, um sie als ferngesteuerte, willenlose Zombies wiederauferstehen zu lassen. Und bereits diese Kleinigkeit deutet den Schmusekurs an, den Frank Oz sich in seiner gefälligen Inszenierung gestattete: Die gruselig-grelle Farce gerinnt hier schnell zur launigen Komödie, und nicht erst der Showdown ertrinkt in trauter Harmonie der Geschlechter.<BR><BR>Ausstattung und Kostüme sind exzellent komponiert. Die Fallstricke des Drehbuchs allerdings hat Oz vor lauter Setdesign-Arrangements leider offensichtlich übersehen. </P><P>(In München: Mathäser, Filmcasino, Tivoli, Museum i.O., Cinema i.O.)<BR><BR>"Die Frauen von Stepford"<BR>mit Nicole Kidman, Betti Midler, Glenn Close<BR>Regie: Frank Oz<BR>Sehenswert </P><P> </P><P><BR> </P>

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