Batman, wie er sein muss

- Vorsprung durch Technik war immer das Markenzeichen von Batman, dem einzigen der vielen Comic-Superhelden, der über keine übermenschlichen Kräfte verfügt, die ihn von allen anderen Menschen unterscheiden.

<P>Stattdessen ist der Multimillionär Bruce Wayne, der in seiner Freizeit in der Metropole Gotham City Verbrecher jagt, eigentlich einer von uns: orientierungslos, verklemmt, spießig, von ein paar Kindheitstraumata mit schöner Regelmäßigkeit gequält - nur mit etwas mehr Mut und Geld und mit dem sozialen Engagement, beides auch im Dienst der guten Sache einzusetzen.<BR><BR>Als humane Fledermaus schwingt er sich mit Drähten, Haken, Ösen, Maske, flugfähigem Mantel und sonderbaren Superwaffen über die Hochhausgipfel. Vier "Batman"-Filme kamen zwischen 1989 und 1997 ins Kino. Die zwei ersten stammten von Tim Burton, und hatten mit Michael Keaton einen Hauptdarsteller, der - weil kein typischer Actionheld - die Brüchigkeit der Figur besonders gut verkörpern konnte. Val Kilmer und George Clooney in den beiden Filmen Joel Schuhmachers gelten dagegen als Fehlbesetzungen.<BR><BR>Ausgerechnet während der Hochzeit der New Economy verstaubte das "Batmobil" dann in den Kellern Hollywoods - vielleicht wirkten Reiche mit Gemeinsinn in diesen Jahren genauso wenig zeitgemäß wie die soziale Krise, die im Hintergrund der Batman-Stories immer präsent ist. Die entstanden schließlich zuerst in den 30er-Jahren auf dem Höhepunkt der US-Depression. Jetzt hat sich die soziale Krise verschärft, und so wurde es höchste Zeit für einen Neuanfang. Mit "Batman Begins" ist dieser grandios geglückt.<BR><BR>Ein Engel der Gerechtigkeit</P><P>Dem britischen Regisseur Christopher Nolan gelingt die Neugeburt einer schon totgesagten Figur. Mit Christian Bale fand man einen gut geeigneten Hauptdarsteller. Sein Gesicht hat etwas Maskenhaftes, Unprägnantes, das der Figur entgegenkommt. Sein Körper ist muskulös, aber nicht besonders groß, so dass man ihm seine Doppelgängerexistenz gern abnimmt. Der Regisseur betont die Schizophrenie und die inneren Konflikte seiner Hauptfigur. "Batman Begins" ist der erste Batman-Film, in dem der Held wirklich im Zentrum steht und nicht von schräg-faszinierenden Schurken wie "Joker", "Pinguinmann" oder "Mr. Freeze" in den Schatten gestellt wird. Der Film arbeitet mit unserem Wissen, wer Batman ist, und erzählt, wie er dies wurde. Dabei entwickelt er den Existenzialismus der Vorlage weiter, definiert die Figur zugleich sachte um.<BR><BR>Nolans Batman ist kein verwöhnter, technikverliebter Reicher, der sich seine Zeit mit Verbrecherjagd vertreibt,auch kein Rachegott, sondern ein Engel der Gerechtigkeit. Ein großes Staraufgebot rahmt ihn ein: Katie Holmes spielt Waynes große Jugendliebe, Michael Caine seinen Butler; Liam Neeson, Tom Wilkinson, Morgan Freeman u. a. haben wichtige Auftritte - einer von ihnen wird klarerweise zum großen Gegenspieler.<BR><BR>Ein auf faszinierende Weise zeitgemäßer, doch auch angenehm nostalgischer Film, mit der nötigen Dunkelheit und Ambivalenz, die diese Figur braucht: Batman, wie er sein muss. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Münchner Freiheit, Cinema i.O., Museum i. O.)<BR>>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

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